Ein Platz fürs Kind

Betreuungsangebote sind noch immer rar - wie Betriebe ihren Mitarbeitern helfen


Heidenheim. Zahida Sakic-Kramer macht Feierabend. Wie fast jeden Tag läuft sie die zwei Minuten hinüber zur „Kindervilla“ ihres Arbeitgebers: Dort nimmt sie ihren Sohn Tien (4) in die Arme und wirbelt ihn herum. Wenn es den Kindergarten der Voith GmbH in Heidenheim nicht gäbe, könnte die Ingenieurin nicht Vollzeit arbeiten.

So wie ihr geht es vielen Eltern in Baden-Württemberg: In der Altersgruppe bis drei Jahre gibt es nur Plätze für 23 Prozent aller Kinder, ergab der jüngste Ländervergleich des Statistischen Bundesamtes. In der Altersklasse von Tien, bei den Vierjährigen, besuchen zwar schon 99 Prozent einen Kindergarten – doch das Problem sind vielfach die Öffnungszeiten.

Sakic-Kramer: „Mein Sohn war zuerst in einem städtischen Kindergarten – aber Vollzeit arbeiten kann ich erst, seit er einen Platz in der Kindervilla von Voith hat.“ Öffnungszeiten dort: 7.30 bis 17 Uhr. „Das ermöglicht mir die nötige Flexibilität, die ich im Job brauche“, so die junge Mutter.

Schon vor zehn Jahren hat der Technologiekonzern, der in Heidenheim 4.500 Mitarbeiter beschäftigt, seinen eigenen Betriebskindergarten eingerichtet.

Die Warteliste soll es nicht mehr geben

45 Plätze für Ein- bis Sechsjährige gibt es dort, und seit September bietet Voith zusammen mit der Stadt und einem weiteren örtlichen Unternehmen zusätzliche 165 Plätze in einer neuen Einrichtung an: Ziel ist, dass es keine Warteliste mehr gibt. Indes bereiten die Wartelisten vielen Kommunen Kopfzerbrechen: Schon ab August haben Eltern für Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, das Angebot hinkt der Nachfrage aber vielerorts noch stark hinterher.

Auch wenn es zurzeit heißer diskutiert wird als je zuvor – das Thema Kinderbetreuung ist für die Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie nicht neu. In Öhringen etwa feierte der Verpackungsspezialist Huber Packaging jüngst schon den 50. Geburtstag seiner Kindertagesstätte.

Auto-Hersteller Daimler hat Kinderkrippen an elf Standorten, die zwölfte wird gerade gebaut. Sensor-Hersteller Sick in Waldkirch bietet für Mitarbeiterkinder sogar Hausaufgabenbetreuung und Computer-Kurse an.

Während viele Kindergärten der Kommunen mittags geschlossen sind, nehmen Betriebskindergärten oft Rücksicht auf die unterschiedlichen Arbeitszeiten der Mitarbeiter.

Ilonka Nußbaumer, Leiterin Konzern-Personalmanagement bei Voith, versichert: „Die Betreuungsmöglichkeiten stehen allen Mitarbeitern am Standort Heidenheim offen.“ Und: „Bei entsprechender Nachfrage wird eine zusätzliche Betreuungszeit angeboten.“

Unterstützung beim Wiedereinstieg

Voith hat auch ein Ferienprogramm für vier- bis zehnjährige Mitarbeiter-Kinder – und ein „Eltern-Kind-Arbeitszimmer“: Das können Büromitarbeiter nutzen, wenn sie mal während der Arbeitszeit auf ihr Kind aufpassen müssen – etwa wenn Schule ausfällt.

Ein wichtiges Motiv sei es, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Nußbaumer: „Oft ist ja ein schneller Wiedereinstieg nach der Elternzeit nur möglich, wenn Eltern entsprechende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder haben und so den Arbeitsalltag flexibel planen können.“

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