Arbeitsvermittler lernen Ausbildungsberufe mal ganz praktisch kennen

Berufsberater vor Ort: Was macht eigentlich ein Packmitteltechnologe?

Wörth. Weg vom Schreibtisch und ran an die Maschinen! So heißt an diesem Tag das Motto von zwei Dutzend Berufsberatern und Arbeitsvermittlern. Auf Initiative der bayerischen Papierverbände besuchen die Mitarbeiter regionaler Arbeitsagenturen das Papierwerk Landshut Mittler (PLM) im niederbayerischen Wörth an der Isar. Dort informieren sie sich über Ausbildungsmöglichkeiten in der Papier- und Kunststoffverarbeitung.

„Unsere Mitarbeiter müssen wissen, welche Fähigkeiten und Voraussetzungen Bewerber für die einzelnen Berufe mitbringen sollten und was sie erwartet“, erklärt Christiane Singh-Verma von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.

Die Regionaldirektion Bayern hat daher zusammen mit den bayerischen Papierverbänden Firmenbesuche bei PLM und drei weiteren Betrieben organisiert. Beim Ortstermin in Wörth geht es vor allem darum, was Packmitteltechnologen und Medientechnologen Druck denn eigentlich genau treiben.

Die Attraktivität dieser Ausbildungsberufe hat sich bei den meisten Schülern noch nicht rumgesprochen. Und auch einige Berufsberater wissen nicht so genau, wie es in der Branche zugeht. Gerade deshalb sind Termine wie diese wichtig – so sieht es jedenfalls Markus Bauer, Ausbilder bei PLM. „Ich hatte bisher noch nie das Vergnügen, dass die Arbeitsagentur uns einen Bewerber geschickt hat“, berichtet er.

Dabei kämpft das Unternehmen um Nachwuchs. Zunehmend! „Im vergangenen Jahr gab es nicht einen Bewerber für die Lehrstelle des Packmitteltechnologen“, berichtet Bauer. Diese Erfahrung soll aber möglichst ein Einzelfall bleiben. Und dafür tut die Firma viel.

Um junge Leute wird geworben – sogar auf Bussen und im Stadion

Anzeigen in Zeitungen und die Teilnahme an Jobmessen zum Beispiel sind längst selbstverständlich. Sogar mit Werbung auf Landshuter Stadtbussen sowie im Stadion des heimischen Profi-Eishockey-Teams wirbt PLM für eine Ausbildung im Unternehmen. „Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur ist natürlich ein weiterer Weg, um auf unsere Firma und unsere Berufe aufmerksam zu machen“, so Bauer.

PLM stellt Verpackungen her, vor allem für die Pharma-Industrie. Zu den Kunden gehören aber auch Firmen aus anderen Branchen, etwa Kosmetikhersteller. Täglich verlassen rund zwei Millionen Faltschachteln das Werk des traditionsreichen Familienunternehmens, das rund 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Vielen Menschen in der Region ist das aber völlig unbekannt. Auch Florian Flurschütz (21) wusste nach seiner Schulzeit nicht viel über PLM – geschweige denn, welche Ausbildungsmöglichkeiten sich dort bieten. Er wurde durch eine Anzeige auf die Firma aufmerksam und musste sich dann erst mal schlaumachen.

Inzwischen ist er ausgebildeter Medientechnologe Druck – und froh, sich damals für die Karriere in einer kleineren Industriebranche entschieden zu haben. „Ich hatte schon früh Verantwortung und arbeite selbstständig“, zählt Flurschütz Vorteile seines Jobs auf. „Zudem wollte ich weder ins Büro noch eine Arbeit, bei der ich mich dreckig mache.“ Mit der Schichtarbeit hat er sich arrangiert: „Sie wird schließlich gut bezahlt.“

Eventuell würden sich in Zukunft mehr Schulabgänger wie Flurschütz entscheiden – wenn sie denn genügend Informationen hätten. Die bayerischen Berufsberater haben die Branche jetzt jedenfalls besser auf dem Schirm als vorher. „Den besten Eindruck von eher unbekannten Berufen bekommt man eben, wenn man sich Mitarbeiter und Betriebe persönlich anschaut“, sagt Singh-Verma von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.


Wichtige Ausbildungsberufe der Branche:

Alles unter Kontrolle: Auszubildende Lena Klostermeier (17). Foto: Schulz
Alles unter Kontrolle: Auszubildende Lena Klostermeier (17). Foto: Schulz

Packmitteltechnologe: Egal ob Smartphones, Möbel oder Lebensmittel – Produkte sollen unbeschadet zum Kunden gelangen. Dafür sorgen Packmitteltechnologen. Sie entwerfen Verpackungen und müssen dabei neben der Funktionalität oft auch ein möglichst ansprechendes Design im Blick haben. Hier sind also Kreativität und Materialkenntnis gefragt. In der Produktion planen, steuern und überwachen Packmitteltechnologen den Fertigungsprozess, etwa das Stanzen, Kleben und Veredeln. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Sieht genau hin: Auszubildende Stephanie Gottswinter (18). Foto: Schulz
Sieht genau hin: Auszubildende Stephanie Gottswinter (18). Foto: Schulz

Medientechnologe Druck: Diese Fachkräfte steuern Druckmaschinen und sind oft für den gesamten Druckprozess von Papier-Produkten verantwortlich, etwa Verpackungen für die Konsumgüter- oder Lebensmittel-Industrie. Dafür müssen sie nicht nur Druckmaschinen einstellen, beherrschen und kontrollieren, sondern sie prüfen auch die Ergebnisse auf kleinste Fehler. Medientechnologen Druck benötigen dazu Adleraugen und einen exzellenten Blick für Farbnuancen. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Weitere Infos: karriere-papier-verpackung.de

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