So helfen Betriebe ihren Mitarbeitern

Beruf und Pflege vereinbaren – dank hessischer Firmen-Initiative

Frankfurt. Ein Unfall, ein Schlaganfall oder aber eine andere schwere Erkrankung: Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Allein in Hessen leben aktuell über 200.000 pflegebedürftige Menschen. Etwa drei Viertel von ihnen werden zu Hause betreut und fast ausschließlich von Familienangehörigen versorgt, oft neben deren Berufstätigkeit.

Da die Pflege über Jahre erforderlich sein kann, sind Erhalt der Gesundheit und Prävention auch für die Pflegenden wichtig. „Viele Unternehmen haben das erkannt“, berichtet der hessische Sozial- und Familienminister Stefan Grüttner. Sie beteiligen sich, im Interesse ihrer betroffenen Beschäftigten, an der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“.

Vor zwei Jahren gründete Grüttner die Initiative gemeinsam mit der AOK Gesundheitskasse, dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft sowie Berufundfamilie, einem Tochterunternehmen der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Mit der Unterzeichnung einer Charta Mitte Juli in Frankfurt verpflichteten sich nun 35 weitere hessische Betriebe, ihre Mitarbeiter über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus zu unterstützen.

Damit sind es 96 Firmen, die gemeinsam für das Thema Pflege sensibilisieren und Lösungen finden wollen, die pflegenden Mitarbeitern und Arbeitgebern gerecht werden.

Sie übernehmen damit eine Vorreiterrolle. Denn die Initiative ist einmalig in Deutschland und findet bundesweite Aufmerksamkeit. „Die Unterzeichner geben hier ihren Mitarbeitern gegenüber das öffentliche Bekenntnis ab, dass sie Betroffenen nicht nur keine Steine in den Weg legen, sondern sie bei dieser Lebensleistung wo immer möglich unterstützen“, so Minister Grüttner.

Besondere Hilfe durch Pflege-Guides

Die Initiative hilft mit Fachveranstaltungen, Kompetenztrainings, Aufbau von Netzwerken und mit der Schulung betrieblicher Pflege-Guides, die Betroffene in der Firma beraten.

„Dieses Investment lohnt sich auch ökonomisch“, erläutert Stefan Höhl, Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bei der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU). „Denn wir sprechen von Mitarbeitern in den besten Jahren – mit reichlich Erfahrung und häufig in wichtigen Schlüsselpositionen.“


Beispiel Schunk

Foto: Denkewitz
Foto: Denkewitz

Steffen Friedrich, Leiter Zentralbereich Personal der Schunk Group in Heuchelheim (über 3.000 Mitarbeiter in Hessen):

„Betroffene brauchen als erste Hilfe vor allem Zeit, um die Pflege und auch sich selbst organisieren zu können. Danach muss man Lösungen finden, die auf die jeweilige Situation der Betroffenen abgestimmt sind und ihnen optimal helfen.“

Das Bild zeigt Minister Stefan Grüttner (links) bei der Verleihung der Charta an Steffen Friedrich.

 

 

Beispiel Bosch

Foto: Denkewitz
Foto: Denkewitz

Veronika Spielbauer, Leiterin Personalgrundsatzfragen bei Bosch Thermotechnik in Wetzlar (rund 2.500 Mitarbeiter in Hessen):

„Das Thema ist spürbar, die Nachfrage wächst. Sozialberater und Betriebsräte sind die ersten Ansprechpartner für Hilfesuchende. In der Verwaltung gibt es leichter Lösungen als in der Produktion, aber auch da ist vieles machbar.“

Im Bild erhält Veronika Spielbauer die Charta von Minister Stefan Grüttner.

Charta „Beruf und Pflege vereinbaren“

Mittlerweile bekennen sich 96 hessische Unternehmen ausdrücklich

  • „zur Enttabuisierung und Würdigung der Übernahme von Pflegeaufgaben“,
  • „zur Förderung einer entsprechenden Organisationskultur“,
  • „zum lösungsorientierten Umgang mit den Situationen der pflegenden Beschäftigten“ und
  • „zur Förderung des internen und externen Dialogs“.

Weitere Infos im Internet: berufundpflege.hessen.de

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