Kopfhörer-Produktion

Bekenntnis zum Standort D


Neue Produktionshalle von Sennheiser vor den Toren Hannovers

Wedemark. Die Technik des Audio-Spezialisten Sennheiser haben in den vergangenen Wochen viele Menschen erlebt – auch wenn es ihnen nicht bewusst war. Zum Beispiel bei Lenas Sieg im Song-Contest in Oslo. Oder bei der Fußball-WM, wo insgesamt 300 Richtmikrofone in den Stadien trotz Vuvuzelas sozusagen das Keuchen des Torwarts beim Elfmeter erlebbar gemacht haben.

Das Familienunternehmen aus Wedemark, einem Vorort von Hannover, ist im Krisenjahr 2009 sogar gewachsen: Der Umsatz stieg von 386 auf 390 Millionen Euro. Davon blieben rund 4 Millionen Euro Gewinn – nach 15 Millionen im Vorjahr. „Das ist kein Ergebnis zum Jubeln“, sagt Volker Bartels, Sprecher der Geschäftsführung. „Aber es ist ein akzeptables Ergebnis.“ Besonders stolz ist er darauf, dass Sennheiser erneut aus eigener Kraft, also nicht durch Zukäufe, zugelegt hat. Und, „dass wir erst das Geld verdienen, um es dann wieder ins Unternehmen zu investieren“.

Mit dem Umzug hat sich vieles verändert

Ein Beleg für dieses Selbstverständnis: das neue Technologie- und Produktionszentrum, das Anfang des Jahres am Firmensitz in Betrieb genommen wurde. 15 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür investiert. Für den Gründersohn Professor Dr. Jörg Sennheiser, dessen Vater vor 65 Jahren das Unternehmen aus der Taufe hob, ist die neue Produktionshalle „ein weiteres Bekenntnis zum Standort Deutschland“.

Auf den mehr als 13.000 Quadratmetern arbeiten 440 Mitarbeiter. So wie Magdalena Pechtholf oder Andrea Toleiks. Sie montieren Kopfhörer. Früher war ihr Arbeitsplatz in der Produktionsstätte im rund 20 Kilometer entfernten Burgdorf. Mit dem Umzug in die Wedemark hat sich vieles verändert. „Es ist hier hell, freundlich“, sagt Pechtholf. „Wir haben ideale Arbeitsbedingungen.“ Jörg Sennheiser ergänzt: „Die intensive Beratung mit Arbeitswissenschaftlern und Experten der Fertigungsorganisation hat sich gelohnt.“

Ihm ist offensichtlich wichtig, dass sich seine Mitarbeiter wohlfühlen. Viele kennt er persönlich; er weiß, dass deren Väter oder Kinder auch im Unternehmen sind.

In der Wirtschaftskrise hat sich das Erfolgsrezept des Unternehmens bewährt. Allein von der professionellen Kundschaft mit ihren höchsten technischen Ansprüchen kann ein Unternehmen wie Sennheiser nicht leben.

„Große Theater und Verleiher waren in der Krise deutlich zurückhaltender“, sagt Volker Bartels, der Sprecher der Unternehmensleitung. Dagegen war die Nachfrage nach Kopfhörern für Endverbraucher, Sennheiser nennt es das Konsumer-Geschäft, deutlich besser, vor allem in Asien und Amerika.

Kurzarbeit ist kein Thema mehr

Die Firma ist ein typisches Familienunternehmen. „Die Amerikaner hatten meinem Vater nach dem Krieg angeboten, er solle sein Unternehmen in den USA aufbauen“, erzählt Jörg Sennheiser. „Doch das wollte er nicht. Er wollte viel lieber hier in der ländlichen Umgebung von Hannover bleiben.“

Inzwischen arbeiten für Sennheiser 2.132 Menschen. Dem zweiten Halbjahr 2010 schaut man erwartungsvoll entgegen. Die Produktion ist ausgelastet, Kurzarbeit ist längst kein Thema mehr.

Werner Fricke

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