Investitionen

Beispiel Bergmann Automotive: Warum Betriebe steuerliche Entlastung brauchen

Barsinghausen. Es dröhnt. Überall zischt und dampft es. Gabelstapler transportieren riesige Tiegel mit glühendheißem, flüssigem Metall durch die Hallen. Es herrscht reger Betrieb in der Gießerei bei Bergmann Automotive in Barsinghausen bei Hannover.

Sechs elektrisch betriebene Schmelzöfen verarbeiten hier jährlich 50.000 Tonnen Gusseisen. In zwei Meter langen Kokillen wird es zu Rohren gegossen. Daraus fertigt Bergmann Zylinderlaufbuchsen für die Automobil-Industrie im In- und Ausland.

Mit klugem Management Krisen überwunden

Bernhard Büthe führt Besucher durch die Gießerei – Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall. Seit 15 Jahren leitet Büthe das Unternehmen. Viele Krisen hat er mit geschicktem Management und mithilfe finanzstarker Investoren überwunden. Inzwischen läuft es gut für Bergmann. Heute arbeiten hier 230 Mitarbeiter, der Jahresumsatz liegt bei 50 Millionen Euro. „Der Antrag, unsere Kapazitäten auf 88.000 Tonnen pro Jahr aufzustocken, steht kurz vor der Genehmigung“, freut sich Büthe.

Doch Expansion allein reicht nicht. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Innovationen nötig. Dafür aber fehlen die finanziellen Mittel. Deshalb begrüßt Büthe die Forderung von Ministerpräsident Weil, Ausgaben für Forschung und Entwicklung in kleineren und mittleren Unternehmen steuerlich zu fördern.

Bei seinem Besuch in dem Betrieb stellt Weil gemeinsam mit Verbandschef Schmidt sein Konzept vor. Nicht nur Bergmann, sondern auch viele weitere Unternehmen der Metall- und Elektro- sowie der Zulieferer-Industrie stünden vor enormen Herausforderungen: Die Digitalisierung der Fertigung, kürzere Produkt- und Innovationszyklen und steigender Wettbewerbsdruck machten insbesondere dem Mittelstand zu schaffen.

„Die Frage ist, wie kleine und mittlere Unternehmen ermutigt werden können, Investitionen zu tätigen und den Sprung in die neue Technik zu wagen“, so Weil. Und Schmidt bekräftigte, dass die zunehmende Investitionsschwäche dazu führt, dass „der Wettbewerb ganzer Branchen auf dem Spiel steht“.

Als Vorbild dient Österreich

Deshalb seien staatliche Anreize notwendig. 10 Prozent der Personalaufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, so Weil, sollen direkt mit der monatlichen Lohnsteuer verrechnet werden. So könnten schnell und unbürokratisch Investitionsmittel zur Verfügung stehen.

Als Vorbild dient Österreich: Seit hier die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen vor zehn Jahren eingeführt wurde, haben sich die Investitionen in diesem Bereich verdoppelt.

Österreich ist kein Einzelfall. Inzwischen hat sich das Modell in fast allen europäischen Ländern durchgesetzt. Weil geht davon aus, dass seine Forderung „spätestens Ende des Jahres in eine Bundesratsinitiative münden wird“.

Auch bei Bergmann würde man davon profitieren. Büthe: „Eine steuerliche Förderung wäre für uns ein Anreiz, eine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung aufzubauen und entsprechende Fachkräfte einzustellen.“


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