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Tuning für Mercedes-E-Klasse

Beim Unternehmen Binz werden Autos zu Stretchlimousinen

Der Mittelständler aus Lorch in Ostwürttemberg verlängert mit seinen 140 Mitarbeitern Fahrzeuge für Kunden in aller Welt und macht daraus Bestattungswagen und Stretchlimousinen. Wie das geht, lesen Sie hier.

Sechs statt vier Türen: So sieht die Karosserie nach der Verlängerung aus. Foto: Mierendorf

Sechs statt vier Türen: So sieht die Karosserie nach der Verlängerung aus. Foto: Mierendorf

Aufwändig: Der komplette Umbau dauert 10 bis 12 Wochen. Foto: Mierendorf

Aufwändig: Der komplette Umbau dauert 10 bis 12 Wochen. Foto: Mierendorf

Ran an die Karosserie: Um sie verlängern zu können, müssen die Fahrzeuge erst einmal auseinandergesägt werden. Foto: Mierendorf

Ran an die Karosserie: Um sie verlängern zu können, müssen die Fahrzeuge erst einmal auseinandergesägt werden. Foto: Mierendorf

Kompliziertes Puzzle: Das ganze Innenleben muss wieder zusammengebaut werden. Foto: Mierendorf

Kompliziertes Puzzle: Das ganze Innenleben muss wieder zusammengebaut werden. Foto: Mierendorf

Bestattungswagen: Ein Binz-Mitarbeiter beim Innenausbau. Foto: Mierendorf

Bestattungswagen: Ein Binz-Mitarbeiter beim Innenausbau. Foto: Mierendorf

Fertige Fahrzeuge: Geschäftsführer Thomas Amm zeigt verlängerte Fahrzeuge für Kunden, die solche Wagen noch mit ihrem eigenen Aufbau ausstatten. Foto: Mierendorf

Fertige Fahrzeuge: Geschäftsführer Thomas Amm zeigt verlängerte Fahrzeuge für Kunden, die solche Wagen noch mit ihrem eigenen Aufbau ausstatten. Foto: Mierendorf

Weltneuheit: Ein Tesla, von Binz zum Bestattungswagen umgebaut. Foto: Mierendorf

Weltneuheit: Ein Tesla, von Binz zum Bestattungswagen umgebaut. Foto: Mierendorf

Lorch. Das Sägeblatt nähert sich der nagelneuen E-Klasse von Mercedes. Schon fliegen Funken, das Werkzeug frisst sich durch die Karosserie. Thomas Amm sieht entspannt zu und lächelt. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens Binz in Lorch (Ostwürttemberg). Hier werden täglich Oberklasse-Neuwagen zersägt!

„Das ist erst der Anfang“, erklärt Amm. Die Autos werden verlängert und umgebaut, zu Stretchlimousinen und Bestattungswagen. Bis zu 400 solcher Fahrzeuge entstehen pro Jahr unter den Händen von 140 Mitarbeitern. In einer riesigen Halle bauen sie Rückbänke und Verkleidungsteile aus, zerlegen dicke Kabelstränge. Amm schildert: „In einem Auto steckt sehr viel Elektronik. Das macht unsere Arbeit besonders knifflig.“

Zur Verlängerung werden Leichtbauteile eingefügt

In einer anderen Halle fertigen Mitarbeiter Leichtbauteile, die zur Verlängerung eingefügt werden. Dann wird geschweißt, gespachtelt und geschliffen, bis die neue Karosserie perfekt ist. Die Mitarbeiter gestalten das Innenleben neu, puzzeln die Elektronik wieder zusammen und schicken das Auto in die Lackierstraße. Der Umbau dauert zehn bis zwölf Wochen.

Die Binz-Belegschaft baut auch Mercedes-Sprinter zu Polizeifahrzeugen um. Die werden zwar nicht zersägt, bekommen aber Zusatzausstattung wie Signal- oder Funkanlagen.

Eine Stretch-Limousine misst nach dem Umbau 6,10 Meter und hat nun sechs Türen! Kostenfaktor: ab etwa 100.000 Euro. Größter Geschäftszweig des Unternehmens aber sind Bestattungsfahrzeuge. Auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl wurde in einem Binz zur letzten Ruhestätte gefahren. Übrigens kommen auch die meisten Stretch-Limousinen von Binz bei Bestattungen zum Einsatz, denn in vielen Ländern werden sie hier üblicherweise als Begleitfahrzeuge eingesetzt.

Mit dem Verlängern von Fahrzeugen hat der Betrieb seit 1936 Erfahrung. Und macht das deshalb auch für andere Hersteller, die dann ihren eigenen Aufbau montieren.

Es kommt vor allem auf Zuverlässigkeit an

„Die Fahrzeuge müssen vor allem zuverlässig sein“, sagt Amm. Weil er vorher Manager in der Bestattungsbranche war, weiß er, was noch zählt: „Rund um Friedhöfe sind Lärm und Emissionen unpassend.“

Daher hat Binz letztes Jahr als erster Umrüster ein elektrisches Serien-Bestattungsfahrzeug herausgebracht: auf Basis des Tesla. Amm zeigt das Vorführmodell. Als er die Heckklappe öffnet, hebt sie sich ungewohnt langsam und ganz leise. Wenn es schon zur letzten Ruhe geht, dann wenigstens würdevoll.


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