Ausbildung in Technik-Beruf

Beim Triebwerkspezialisten MTU: Als junge Frau Flugzeugturbinen bauen – warum denn nicht?

Langenhagen. Anna-Lena Gründel strahlt. Die 20-Jährige mit den stramm zurückgebundenen Haaren stemmt die Hände in die Seiten. „Ich war schon immer technisch interessiert“, erzählt sie.

Die junge Frau ist im ersten Ausbildungsjahr und wird bei MTU zur Fluggerätmechanikerin ausgebildet. Bei den Triebwerkspezialisten in Langenhagen fühlt sie sich wohl. „Auch wenn das eine Männerdomäne ist. Aber wenn ich hier bestehe, dann stärkt das mein Selbstwertgefühl.“

Als Schulabschluss hat sie das Abitur, das ist mehr als verlangt: Wer eine Ausbildung bei MTU anstrebt, sollte einen guten Hauptschul- oder einen Realschulabschluss haben. Das Unternehmen ist bei Technikorientierten jungen Menschen beliebt. Seit vielen Jahren geht es aufwärts, nicht nur mit den Umsätzen, sondern auch in puncto Mitarbeiterzahl. 1979 waren es rund 60, heute sind bei MTU in Langenhagen 1.900 Menschen tätig.

Vier Berufe kann man hier erlernen

Zehn Azubis waren es 1990, als MTU in Langenhagen vor genau einem Vierteljahrhundert mit der Ausbildung begann. Inzwischen gibt es hier 117 Auszubildende. Vier Berufe kann man erlernen: Fluggerätmechaniker, Industriemechaniker, Oberflächenbeschichter und Fachkraft für Lagerlogistik. Personalleiter Christoph Humberg ist stolz darauf, dass „wir ein gutes Standing als Arbeitgeber in der Region und darüber hinaus haben“.

Klar, das Umfeld ist spannend. In der Luftfahrt zu arbeiten, hat etwas Verführerisches. Es hört sich an nach „up and away“, der Laie assoziiert mit dem Thema Fliegen immer auch Ferien und Freizeit.

Wenn MTU doch Triebwerke instand setzt: Dürfen die Auszubildenden dann auch mal mit in die Luft gehen? „Das kommt durchaus vor“, erzählt Ausbildungsleiter Rolf Ostermeier. Solche Ausflüge hätten dann aber nichts mit Abenteuer zu tun, das seien Arbeitseinsätze. MTU Langenhagen setzt Triebwerke nicht nur bei geplanten „Shopvisits“ instand: Manchmal suchen bei unerwarteten Problemen Mechaniker auch „on wing“ nach einer Lösung, also direkt am Flugzeug. Und das ist meist weit entfernt. Wer als Azubi Glück hat und als geeignet erscheint, darf den Fachkräften dabei zur Hand gehen.

Anna-Lena Gründel ist überzeugt, dass sie die richtige Berufswahl getroffen hat. „Ich will mit den Händen arbeiten“, sagt sie. Und: „Für mich ist es faszinierend, dass ein Triebwerk so viel Masse durch die Luft bewegen kann.“ Bei ihrer Arbeit hat sie mit Teilen zu tun, „die sehr klein sein können, aber auch viereinhalb Meter groß“. In der ersten Station ihrer Ausbildung ging es um Triebwerkelektronik. Jetzt freut sie sich schon auf Aufgaben, die mehr mit Mechanik zu tun haben, „das liegt mir noch mehr“.

Bisher wurden fast alle Azubis übernommen

Bevor Auszubildende ins operative Geschäft eingebunden werden, erlernen sie Grundlagen in der Ausbildungswerkstatt. Im zweiten Jahr steht fachbezogenes Wissen im Mittelpunkt, das dritte Jahr besteht aus einem Mix von Arbeit in der Werkstatt und im Betrieb.

Bisher konnten fast alle Auszubildenden übernommen werden. Dabei lautet die Botschaft: Ihr werdet euch immer weiterbilden müssen – weil die Zeit nicht stehen bleibt und die Technik fortschreitet. Zum Beispiel sagt Personalleiter Humberg mit Blick auf Abiturienten wie Anna-Lena Gründel: „Wir finden es grundsätzlich gut, wenn unsere jungen Leute in Kooperation mit uns als Arbeitgeber auch studieren. Denn das ist die perfekte Mischung: Praxisbezug und Ingenieurwissen.“


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