Millimeterarbeit mit riesigen Gabeln

Beim „StaplerCup“ messen sich die weltbesten Fahrer

Aschaffenburg. Einen Tennisball auf dem waagerecht gehaltenen Schläger durch die Gegend tragen: gar nicht so einfach. Das Gleiche mit einem Gabelstapler leisten? Doch – so was geht!

Wie so was geht, ist an diesem Tag im bayerischen Aschaffenburg zu bestaunen. Die Zuschauer an der Strecke sind gebannt, die Luft knistert geradezu, so konzentriert ist der Mann am Steuer. Jetzt nur noch ein paar Zentimeter … Und es gelingt: Der Tennisball rollt auf die dafür vorgesehene Ablage. Puuh! Staplerfahrer Wladimir Herb kann durchatmen. Sein Team, für ABB ins Rennen gegangen, hat die knifflige Aufgabe in nur fünf Minuten und 18 Sekunden geschafft – acht Minuten sind das Limit.

Herb schaut trotzdem skeptisch auf die Wertungstafel. „Jetzt kommt es darauf an, wie die anderen abschneiden“, sagt er. Beim Wettbewerb der Firmen-Teams hat ABB 16 Konkurrenten, mit dabei sind etwa Continental, Liebherr, Frosta und Mercedes-Benz Peking. Auch für einen alten Fuchs wie Herb, der schon zum siebten Mal beim „StaplerCup“ mitfährt, bleibt die Sache spannend: „Dieses Jahr sind die Aufgaben besonders knifflig.“

Insgesamt 180 Profis sind hier am Start, die Besten der Besten. Drei Tage lang messen sie sich in mehreren Kategorien und in jeweils unterschiedlichen Wettbewerben. „Diejenigen, die hier antreten, wollen auch was erreichen“, sagt einer der Schiedsrichter.

Für einen reibungslosen Ablauf im Betrieb sind solche Kräfte wichtig

Und die Stadt in Unterfranken ist sozusagen im Festivalfieber: Mehr als 10.000 Zuschauer sind insgesamt dabei. Rund um den Parcours sind Stände aufgebaut, abends gibt es Party. Promis wie Fußballtrainer Felix Magath sind Botschafter des Vereins StaplerCup hilft e. V. und sammeln dabei auch Spenden zum Beispiel für Krebskranke.

„Wir wollen diejenigen ins Rampenlicht holen, die im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf im Betrieb sorgen“, erklärt Patrick Ebert. Er hat mit einem 14-köpfigen Team seiner Firma den Wettkampf organisiert – und das Unternehmen Linde Material Handling hat für das Kräftemessen der weltbesten Fahrer keinen Aufwand gescheut. Das Kopfsteinpflaster auf dem Schlossplatz ist zum Schutz eigens mit einer Asphaltschicht belegt worden, für die Fahrer ist in der StaplerCup-Lounge bestens gesorgt.

Dort sitzen sie in Grüppchen zusammen und besprechen, wer welche Aufgabe übernimmt. Je drei von ihnen fahren, einer muss lotsen. „Nur wenn die Zusammenarbeit klappt, können wir gut abschneiden“, betont ABB-Mann Herb. Er weiß, wovon er spricht: Der frühere Lokführer aus der ehemaligen UdSSR arbeitet seit 23 Jahren bei ABB in Hanau in der Logistik – und koordiniert heute auch die Arbeit der Staplerfahrer.

Gerade geht’s wieder los: Kisten müssen nach Gewicht sortiert werden – Bedenkzeit vorab: nur eine Minute! In dieser kurzen Zeit muss das Team eine Strategie entwerfen. „Stressig“, sagt Herb. Doch im Betriebsalltag sei das häufig auch nicht anders – „und falsches Material am falschen Platz kann die Produktion erheblich verzögern“.

Allein in deutschen Unternehmen sorgen nach Linde-Angaben rund 350.000 Staplerfahrer zum Beispiel dafür, ankommende Ware richtig zu verstauen und an Ort und Stelle zu bringen. Die Logistik insgesamt bietet übrigens 2,9 Millionen Arbeitsplätze im Lande.

Staplerfahrer müssen schnell arbeiten und ihr Fahrzeug trotzdem sicher steuern. Ans Steuer darf deshalb nur, wer einen Stapler-Schein hat; der Grundkurs dauert zwei bis drei Tage. „Die größte Gefahr ist das Kippen, wenn man das Gewicht nicht richtig eingeschätzt hat“, erläutert Routinier Herb.

„Wer hier mitmacht, fährt nachher besser“

Beim Wettbewerb müssen alle Sicherheitsregeln eingehalten werden, wie im richtigen Leben: Wer seine Gabel zu hoch über dem Boden hat, bekommt daher eine Zeitstrafe.

Beim ABB-Team hat vieles gut geklappt. Fürs Siegertreppchen reicht es trotzdem nicht. Am Ende gewinnt der Titelverteidiger, das Firmenteam von Knauf Gips.

Spaß hatten die vier ABB-ler aus Hanau trotzdem. „Jetzt wird gefeiert“, sagt Herb. Gelohnt habe es sich so oder so für alle: „Wer hier mitmacht, der fährt nachher besser und umsichtiger.“


Weltgrößter Wettbewerb

  • Der „StaplerCup“ wird vom Unternehmen Linde Material Handling veranstaltet. 2005 wurde er erstmals als deutsche Meisterschaft ausgetragen. 18.000 Fahrer sind seither zu dem Wettbewerb angetreten.
  • Seit 2007 gibt es einen internationalen Team-Wettbewerb, seit 2008 zudem die „FirmenTeam-Meisterschaft“. 2014 wurde der erste Weltmeistertitel vergeben – an den Deutschen Stefan Theissen. 2015 gab es erstmals einen Wettbewerb für Frauen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang