Gesundheitsmanagement

Beim Reifenhersteller Goodyear zeigt ein Physiotherapeut, wie man bei der Arbeit fit bleibt

Fürstenwalde. Die Kollegen gucken skeptisch: Was treibt Michael Wolf an der Reifenwickelmaschine? Hat der Maschinenführer nichts Besseres zu tun? Nein, hat er nicht: Sportphysiotherapeut Thomas Gruhn trainiert mit ihm verschiedene Möglichkeiten, den Körper zu entspannen, damit Wolf es nicht am Kreuz bekommt.

Massagen im Betrieb gibt es auch schon für die Auszubildenden

Immer mittwochs durchstreift Bewegungsspezialist Gruhn das Werk Fürstenwalde des Reifenherstellers Goodyear Dunlop. „Ich beobachte die Kollegen an ihren Arbeitsplätzen, korrigiere Bewegungsabläufe und Fehlhaltungen und gebe praktische Ratschläge“, verrät der Physiotherapeut.

Grundlage seiner Arbeit ist die Analyse aller 930 Arbeitsplätze im Werk, die ein Sportmediziner nach ergonomischen Gesichtspunkten vorgenommen hat. Wo werden Rücken oder Skelett zu sehr belastet? Was muss geändert werden? Welche Bewegungen sind positiv für die körperliche Gesundheit des Mitarbeiters? Und: Bei welchen Arbeitsplätzen reichen andere Bewegungsabläufe nicht mehr aus, wo muss umgebaut werden?

Werkleiter Markus Wachter bringt es auf den Punkt: „Wir wollen unseren Beschäftigten ermöglichen, gesund und fit bis zur Rente arbeiten zu können.“ Zudem sei es immer eine Aufgabe, den Krankenstand zu senken, aus betrieblichen Erwägungen ebenso wie aus Sorge um die Mitarbeiter.

Um diese Ziele zu erreichen, gilt nun das Rotationsprinzip: Die Mitarbeiter wechseln alle sieben Tage die nach Belastungsgraden rot, gelb und grün markierten Arbeitsplätze. Gesundheitlich Eingeschränkte werden in weniger belastenden Jobs eingesetzt.

Die Führungskräfte leisten in Sachen Gesundheitsmanagement ein Übriges, indem sie die Erfahrungen der Beschäftigten zu nutzen wissen und sie bei Problemlösungen einbinden. „Was wir als Unternehmen tun können, das machen wir auch“, unterstreicht Wachter. Die Mitarbeiter hätten aber auch privat eine Verantwortung, sich gesund zu erhalten. „Und das unterstützen wir. Beispielsweise, indem wir die Mitgliedsbeiträge für sie und die Angehörigen im örtlichen Sportverein übernehmen.“

Wichtig beim Gesundheitsmanagement ist die Prävention. Etwa, indem neue Arbeitsplätze von vorneherein ergonomisch gestaltet werden. Dazu ist in Fürstenwalde gerade Gelegenheit: Goodyear Dunlop investiert 120 Millionen Euro in die Erweiterung, der tägliche Reifenausstoß soll von 10.000 auf 13.000 Stück steigen. „In der Planung waren die Kollegen, die an den neuen, hochautomatisierten Maschinen arbeiten werden, eng eingebunden“, so Wachter.

Das Werk Fürstenwalde ist auf Reifen für die edleren Segmente des Automarkts spezialisiert, die in kleinen Losgrößen, also Stückzahlen, hergestellt werden. Die RunOnFlat- und SUV-Reifen sind groß, im Durchmesser zwischen 18 und 20 Zoll, und entsprechend schwer. „Dieser Markt entwickelt sich sehr erfreulich“, weiß der Werkleiter.

Die meisten neuen Mitarbeiter sind längst eingestellt, haben den Physiotherapeuten Gruhn schon bei der Arbeit gesehen, der übrigens nahe dem Werk auch Massagen anbietet. Das können auch die 17 Azubis nutzen, die im September anfangen. Und Werkleiter Markus Wachter macht ebenfalls Angebote: „Wenn sich noch gute Leute bewerben, stellen wir die natürlich gerne ein.“


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