Ausländische Lehrlinge

Beim Messgerätehersteller Mahr wird der erste spanische Jugendliche ausgebildet

Göttingen. Viel mehr als „Hallo“ konnte der junge Mann aus einem Dorf in der Nähe von Bilbao nicht sagen, als er im Frühjahr 2013 ein Praktikum bei Mahr in Göttingen absolvierte. Mit seiner Motivation aber hat Joseba Arnela Ayo im Betrieb auch ohne Deutschkenntnisse überzeugt. Deshalb durfte er im Herbst wiederkommen. Jetzt wird er bei dem Hersteller von Messgeräten zum Elektroniker ausgebildet.

Der 23-Jährige hat die Chance des Programms „Adelante“ (zu Deutsch: Auf geht’s) genutzt, das Betriebe aus der Region mit jungen Spaniern zusammenbringt, die bereits einen Beruf gelernt haben, allerdings meist nur in der Theorie.

Der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien entgehen: Das wollte auch Ayo. Zwar fand er anfangs, dass die Deutschen nur selten lächeln. Doch von der Hilfsbereitschaft seiner Kollegen ist er begeistert.

Denen lag es am Herzen, dass der junge Spanier, der nach dem Praktikum zunächst in die Heimat zurückkehrte, bei Mahr eine Ausbildung macht, sagt Personalreferentin Sabine Schlüer: „Sie haben Möbel besorgt, ein Bett aus Europaletten gebaut und sich per Skype ausgetauscht.“ Das überzeugte Ayo, der auch am Feierabend gern Zeit mit den anderen Nachwuchskräften verbringt. Spaß und Partys stehen dennoch nicht an erster Stelle, sagt er: „In der Freizeit lerne ich Deutsch.“

Zweimal pro Woche geht er zur Volkshochschule, dazu kommt ein Selbststudium in der Bibliothek der Universität. Außerdem erhält er Politik-Unterricht. Denn Wirtschafts- und Sozialkunde machen bei der Prüfung 20 Prozent aus. „Das könnte der schwierigste Teil für ihn werden“, glaubt Ausbilder Norbert Tilgner.

Komplizierte Texte, etwa über das Betriebsverfassungsgesetz, übersetzt der junge Spanier zunächst Wort für Wort. „Ich muss sie ja auch verstehen“, sagte er. Für die deutschen Azubis, lobt Ausbilder Tilgner, entwickelte er sich so zum Vorbild: „Es ist gut, dass sie sehen, wie sehr er sich anstrengt.“ Dass spanische Nachwuchskräfte sich anfangs nicht auf Deutsch im Betrieb verständigen konnten, sieht Personalerin Schlüer durchaus als Vorteil: „Die Spanier sprechen ein exzellentes Englisch. Davon wiederum haben unsere Azubis hier profitiert.“

Und schon bald wird Joseba Arnela Ayo nicht mehr der einzige Spanier im Betrieb sein. Ein weiterer ehemaliger Praktikant hat sich entschlossen, zu Mahr zurückzukehren. Die Bedingungen sind schließlich attraktiv, so gibt es ein firmeneigenes Ausbildungszentrum.

Der Erfolg zeigt sich unter anderem bei „Jugend forscht“. Alle angehenden Elektroniker im dritten Lehrjahr nehmen daran teil. In den vergangenen zwei Jahren brachte das Unternehmen den Bundessieger im Fach Industriemechaniker hervor.

Aussichten, die auch Ayo davon überzeugen, dass hier seine Zukunft liegt. Etwas allerdings vermisst er doch: „Meinen Hund. Und das Essen, das meine Mutter kocht.“


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