Frauen und Karriere

Beim Kompressorenbauer Boge mit Hochdruck nach oben

Zielstrebig: Katharina Spratte erklimmt die Karriereleiter. Foto: Roth

Bielefeld. Rrrrratsch! Die Schraube sitzt. Katharina Spratte kann fest zupacken. Auch mit dem dicksten Schraubenschlüssel. Zwar trägt die 28-Jährige seit einiger Zeit Kostüm statt Blaumann, aber gelernt ist gelernt. Die Mechatronikerin hat sich beim Bielefelder Kompressoren-Hersteller Boge (weltweit knapp 600 Mitarbeiter) weiterentwickelt – und will im Frühjahr ihren Abschluss als Ingenieurin machen.

Inzwischen gehört sie einem Team an, das neue ölfreie Druckluft-Maschinen entwickelt. In solchen Funktionen sind Frauen in der Metall- und Elektro-Industrie eher selten anzutreffen. Nur jeder fünfte Mitarbeiter in der Branche ist weiblich – im gewerblichen Bereich sind es sogar noch weniger Frauen. Und Ingenieurinnen? Meist Fehlanzeige!

Der Vater ist Küster, die Mutter Friseurin. Und was macht die Tochter? Wird Ingenieurin

Nach ihrer Mechatroniker-Ausbildung montierte Katharina Spratte zunächst große Schraubenkompressoren, die Druckluft für die Mülltrennung oder für Lackierkabinen liefern. Langeweile kam dabei nie auf. Doch die zielstrebige Frau war damit nicht zufrieden: „Ich wollte mehr wissen. Stillstand ist für mich Rückschritt.“

Als vor knapp drei Jahren eine Stelle als Versuchstechnikerin frei wurde, griff Spratte zu. Nun testete sie Maschinen und baute Proto­typen. Und fing an, Maschinenbau an der Fachhochschule Bielefeld zu studieren.

Noch als Studentin wurde sie in die Entwicklungsabteilung der Firma übernommen: „Das ist außergewöhnlich, ich hatte einfach Glück.“ Für ein Projekt wurden dringend Leute gebraucht. Die tüfteln jetzt an Kompressoren, die völlig ölfrei Druckluft produzieren. Mehrere Branchen verlangen danach. Ob beim Pusten von Tabletten-Blistern, beim Verpacken von Lebensmitteln oder beim Lackieren: Kein Tröpfchen Öl darf das Produkt verunreinigen.

Dabei hatte Spratte in der Familie keine beruflichen Vorbilder: Ihr Vater ist Küster, die Mutter Friseurin. Ein Berufsorientierungstest beim Arbeitsamt brachte sie auf die Idee, nach dem Abi eine Lehre als Mechatronikerin zu machen. Denn trotz langer blonder Locken machte sie sich schon als Kind wenig aus Barbiepuppen. Sie spielte lieber mit Legosteinen oder zerlegte alte Radios und Kassettenrecorder.

Heute liebt sie es, mit ihrem Motorrad über die Autobahn zu brettern oder Rennstrecken abzufahren. Und sie drückt auch beruflich auf die Tube. Bei Boge werden bereits drei Abteilungen von Frauen geleitet. Ein Ansporn für die junge Frau: „Ein Team führen, das würde mir Spaß machen.“


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