Die Schicht hat nur fünf Stunden

Beim Autozulieferer ContiTech Kühner können auch Schichtarbeiter ihre Arbeitszeit verringern

Oppenweiler. Regine Lambacher (57) nimmt ein geschwungenes Alu-Rohr, setzt es auf die Maschine und lötet das Anschlussstück fest. So entstehen bei ContiTech Kühner, einem Autozulieferer in Oppenweiler südöstlich von Stuttgart, Leitungen für die Klimaanlagen von Pkws.

Gearbeitet wird hier in Wechselschichten, früh und spät. Doch nach einer langen Krankheit mit mehreren Operationen war das für Lambacher nicht länger zu schaffen: „Ich habe immer gerne gearbeitet, aber so wie bisher ging das einfach nicht mehr.“

Andererseits war klar: „Den ganzen Tag zu Hause sitzen, das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen.“

Jeder Zehnte im Betrieb ist über 57

Der Arbeitgeber kam ihr entgegen. Sie konnte vor zwei Jahren auf ein Frühschichtmodell umsteigen: fünf Stunden täglich und jeden Tag zur gleichen Zeit, von 6 Uhr bis um 11 Uhr. „Ich bin der Firma sehr dankbar dafür“, sagt Regine Lambacher und sieht dabei glücklich aus: „Denn das ist ja nicht selbstverständlich.“

„Zufriedene Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter“, sagt Andreas Daruwala, der Personalleiter des Unternehmens. Er hat deshalb Teilzeit in der Schichtarbeit möglich gemacht. Auch wenn das, wie er betont, „hohe Anforderungen an die Organisation“ stellt. „Etwa jeder Zehnte hier am Standort ist 57 Jahre alt oder älter“, berichtet Daruwala. „Auf diese Entwicklung müssen wir eingehen.“

Inzwischen arbeitet bereits ein halbes Dutzend Beschäftigte innerhalb des Schichtbetriebs in Teilzeitmodellen, und es funktioniert. In allen Fällen wäre die Alternative gewesen, entweder Leistungen nach Hartz IV oder Erwerbsminderungsrente zu beziehen.

Lambacher erhält jetzt nur eine „Teilrente wegen Erwerbsminderung“. Eine Leistung der Rentenkasse für den Fall, dass die tägliche Arbeitszeit gesundheitsbedingt unter sechs Stunden liegt.

„Ich wollte nicht unnötig dem Staat auf der Tasche liegen, sondern möglichst selbst für meinen Unterhalt sorgen“, sagt die gebürtige Thüringerin. Nach der Trennung von ihrem Partner und einem Umzug 1997 in den Großraum Stuttgart war Lambacher mit ihren Kindern allein, arbeitete Vollzeit in Schicht bei ContiTech Kühner. Das war nicht immer leicht: „Meinen Kindern ein Vorbild zu sein, das hat mir immer geholfen“, sagt sie.

Der Standort Oppenweiler des Continental-Konzerns ist das Kompetenzzentrum für elf Werke, an denen Leitungen für Klimaanlagen in Autos gebaut werden.

Die Erfahrung soll im Haus gehalten werden

Wegen der vielen Kurven und Windungen ist ihre Produktion eine Herausforderung. Außerdem müssen sie, wegen der Umweltbelastung durch Kältemittel, absolut dicht sein. „Das geht nur, wenn der ganze Produktionsablauf und die Qualitätskontrolle perfekt sind“, erklärt Personalchef Daruwala.

Damit die erfahrenen Mitarbeiter möglichst lange im Betrieb bleiben, versucht ContiTech außer durch Teilzeit auch mit vielen anderen Erleichterungen die Arbeit altersgerecht zu gestalten. Etwa mit geneigten Arbeitsebenen, Hebehilfen und der Möglichkeit, abwechselnd im Stehen und Sitzen zu arbeiten.

Regine Lambacher denkt noch längst nicht an den Ruhestand: „Ohne meine Arbeit fehlt mir was“, sagt sie.


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