Innovationen made in NRW

Beim Auto alles im Griff


Velbert. Durch die dick gepolsterten Wände dringt kein Lärm von draußen. Im Raum steht einzig ein nagelneues weißes Auto. Rainer Gölz drückt die Tür des Ford Focus zu, es macht „plopp“ – und der junge Mann lächelt zufrieden.

„Ein Türgriff ist das Erste, was der Autokäufer berührt. Der muss chic aussehen und sich gut anfühlen“, sagt der Chef von Witte Automotive: „Und natürlich muss auch der Sound beim Schließen der Tür stimmen.“ Um das herauszufinden, betreibt das Velberter Familienunternehmen ein Akustiklabor.

Scheinbar ein einfaches Ding, so ein Türgriff. In Wahrheit aber ist er gespickt mit Elektronik, damit man den Wagen berührungslos ver- und entriegeln kann. Bevor ein Bauteil das Werk verlässt, kon­trolliert Waldemar Chachaj alle elektrischen Funktionen von Schlüssel und Schloss. Sein Handy bleibt dabei ausgeschaltet. „Die Prüfanlage ist sehr empfindlich. Ein Funksignal würde sie gleich lahmlegen.“

Witte liefert seine Schließ-, Verriegelungs- und Sicherheitssysteme an alle Autobauer, die in Europa produzieren – wie VW, Ford und Daimler, aber auch Toyota.

Während die Autokonjunktur derzeit schlecht läuft, legen die Velberter beim Umsatz zu: Einen Anstieg von 6 Prozent schaffte der Zulieferer 2012 – und auch in diesem Jahr erwartet Geschäftsführer Gölz wieder ein Plus. Kürzlich wurde Witte vom Magazin „Wirtschaftswoche“ zu einem der 100 wachstumsstärksten deutschen Mittelständler gezählt. „2012 gingen einige Innovationen in Serie“, erklärt Gölz einen Teil des Erfolgs.

Beim Öffnen der Tür gibt’s Gummi

Für Daimler hat die Firma eine besondere Rückfahrkamera entwickelt. Eine Klappe in der Heckleiste schützt sie vor Straßendreck. Legt man den Rückwärtsgang ein, fährt das Objektiv heraus.

Oder der Türkantenschutz. Beim Öffnen stülpt sich in Bruchteilen einer Sekunde ein Gummiprofil um die äußere Kante. So gibt es keine Lackschäden, wenn man beim Aussteigen mal aneckt. Seit dem vergangenen Jahr wird das Produkt im Ford Focus eingebaut.

Witte ist aber nicht nur dank seiner Innovationskraft flott unterwegs. Der Hersteller profitiert von einer strategischen Zusammenarbeit mit zwei Autozulieferern in den USA, die sich ebenso auf Schließtechnik spezialisiert haben.

Über diese Partner kommen die Velberter auch mit den Autobauern auf den Zukunftsmärkten in Asien und Südamerika ins Geschäft. Die drei Unternehmen haben gemeinsame Produktionsstätten in China und Brasilien, zudem Entwicklungs- und Vertriebsbüros in Südkorea und Japan.

Außerdem profitieren sie von den Innovationen des jeweils anderen. Ein Beispiel ist der Kantenschutz von Witte: Sollten sich amerikanische Kunden dafür interessieren, werden die US-Unternehmen auch dieses Produkt in ihr Sortiment aufnehmen.

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Firmen-Steckbrief

Witte Automotive in Velbert

• Der Autozulieferer produziert vor allem Schlösser für Türen und Klappen, außerdem Türgriffe und Scharniere sowie Rückenlehnenverriegelungen. Witte hat seinen Sitz in Velbert bei Wuppertal.

• Kunden sind alle namhaften Autohersteller und -zulieferer in Europa. Der größte Abnehmer ist der VW-Konzern.

• Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland, Frankreich, Tschechien und Bulgarien insgesamt rund 3.200 Mitarbeiter. 2012 setzte es 440 Millionen Euro um.

Unternehmen in diesem Artikel

WITTE Automotive GmbH

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WITTE Automotive GmbH
Hoeferstraße 3-15
42551 Velbert

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