Gefragter Grundstoff

Bei Solvay entsteht der Alleskönner Soda

Soda steckt als Basis-Chemikalie in zahlreichen Produkten – wie etwa in Reinigungs- und Waschmitteln. Hergestellt wird das gefragte weiße Pulver unter anderem bei Solvay in Bernburg. Die Geschäfte laufen gut.

Gigantisch: In diesen riesigen Drehrohröfen laufen letzte Produktionsschritte. Foto: Sturm

Gigantisch: In diesen riesigen Drehrohröfen laufen letzte Produktionsschritte. Foto: Sturm

Kennt sich aus: Michael Thanhäuser ist seit fast 40 Jahren Betrieb. Foto: Sturm

Kennt sich aus: Michael Thanhäuser ist seit fast 40 Jahren Betrieb. Foto: Sturm

Bernburg. Langsam und gleichmäßig drehen sich die riesigen Drehrohröfen bei Solvay in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Das Chemie-Unternehmen produziert am Standort hauptsächlich Natriumcarbonat, besser bekannt als Soda. „In den Öfen wird ganz zum Schluss das Kristallwasser entfernt. Anschließend kann das Produkt zum Kunden“, erklärt Werkstattmeister Michael Thanhäuser.

Motor des Erfolgs ist die ständig mitdenkende Belegschaft

Der gelernte Schlosser kennt im Werk jede Schraube. Schon seit 1978 kümmert er sich darum, dass die Anlagen störungsfrei laufen. Bis zu 600.000 Tonnen der Substanz kann die Fabrik im Jahr herstellen. In großen und kleinen Korngrößen, was im Fachjargon als „leichte und schwere“ Soda firmiert.

Das weiße Pulver geht in großen Mengen in die Glasherstellung und wird auch für Reinigungsmittel und in der Waschmittel-Industrie gebraucht. Auch sogenanntes Bicarbonat für Tierfutter, Arzneimittel und Blutwäsche produzieren die 400 Beschäftigten und rund 40 Auszubildenden. Anlagen für Wasserstoffperoxid und Phosphorsäure liefern außerdem – neben technischem Wasserstoffperoxid – hochreine Produkte für die Halbleiter-Industrie.

Thomas Dittmann bringt die fertigen Produkte umgehend auf die Schiene. Er ist seit 34 Jahren im Unternehmen und leitet heute den werkeigenen Eisenbahnbetrieb. „Etwa 40 Prozent unserer Waren werden mit dem Zug ans Ziel transportiert“, sagt Dittmann. Beispielsweise zum Seehafen Wismar, von wo aus Schiffe nach Russland oder Skandinavien starten.

„Die Geschäfte laufen gut“, sagt Werkleiter Patrick Sivry und betont: „Motor des Erfolgs sind die Mitarbeiter.“ Denn der enorme Kostendruck des Markts verlange von jedem Einzelnen ständiges Mitdenken. Nur so bliebe man an der Spitze.

Um Vorreiter zu bleiben, setzt Solvay zudem auf Innovationen und Sicherheit: In den letzten 25 Jahren investierte das Unternehmen rund 600 Millionen Euro in moderne Anlagen und eine bessere Infrastruktur.

Firmengründer erfand 1860 das Verfahren

Die wichtigsten Rohstoffe für die Soda kommen übrigens aus der Region: Im Süden der Stadt wird unterirdisch Salz in Wasser gelöst und als Sole per Pipeline ins Werk gepumpt, im Norden liegt ein Kalkstein-Tagebau.

Auch deshalb siedelte sich der Betrieb im Jahr 1880 in Bernburg an. Zuvor hatte Firmengründer und Chemiker Ernest Solvay ein spezielles Verfahren entdeckt, um Soda herzustellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Werk dann lange Zeit zum Chemiekombinat Bitterfeld; seit 1991 gehört es wieder zur belgischen Solvay-Gruppe.

Schon gewusst?

So stellt man Soda her

  • Die Ausgangsstoffe sind Kalkstein, Kochsalz und Ammoniak.
  • Der Kalkstein wird gebrannt, dabei entsteht unter anderem Kohlenstoffdioxid.
  • Dieses Gas wird mit dem Ammoniak in eine gesättigte Kochsalzlösung eingeleitet. Es bildet sich Natriumhydrogencarbonat.
  • Dieser Stoff wiederum wird im Drehrohrofen auf circa 200 Grad Celsius erhitzt. Wasser und Kohlendioxid entweichen – und die Soda ist fertig.
  • Das Verfahren hatte Ernest Solvay 1860 erfunden und 1863 patentieren lassen.
  • Und: Das eingesetzte Ammoniak wird nahezu vollständig zurückgewonnen und wiederverwendet.

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Schlagwörter: Chemie Produktion

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