Mal genau hingucken!

Bei „I am MINT“ lernen Jugendliche Industrie und Berufe kennen

Bad Homburg. Und das braucht man dann für einen kleinen Elektromotor? Madina Sarwari und Ilham Dahmi sind richtig beeindruckt. Zum ersten Mal erleben die Schülerinnen die Produktion in einem Industriebetrieb und montieren sogar mal selbst kleine Rollenzylinder.

„Es ist richtig aufregend, zu erleben, wie genau hier gearbeitet wird. Da braucht man ganz schön Fingerspitzengefühl“, stellt die 15-jährige Ilham fest. Gemeinsam mit ihren Mitschülern von der Bad Homburger Gesamtschule am Gluckenstein ist sie im Rahmen des Projekts „I am MINT“ zu Gast bei Ringspann in Bad Homburg.

Azubis geben Einblicke in ihre Arbeitswelt

Das Unternehmen entwickelt und produziert mit rund 450 Mitarbeitern weltweit Antriebskomponenten, Spannzeuge und Fernbetätigungen, unter anderem für den Maschinenbau. Um Jugendliche für die Berufswelt der Metall- und Elektro-Industrie zu begeistern, beteiligt sich die Firma seit Jahren am Projekt I am MINT.

Es wird durchgeführt von der Landesarbeitsgemeinschaft SchuleWirtschaft Hessen. Das Besondere daran: Auszubildende stellen ihre jeweils typischen Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) den Schülern vor.

„Wir wollen Jugendlichen Perspektiven aufzeigen, und wenn es uns gelingt, sie für unsere Berufe zu begeistern, ist das perfekt“, so Ausbildungsleiter Ahmed Boudouasel. Nach seiner Erfahrung haben die Schüler bei Gleichaltrigen weniger Berührungsängste und trauen sich, Fragen zu stellen.

Diese Erfahrung machen auch Sebastian Meister und Steffen Ohly, die bei Ringspann Zerspanungsmechaniker lernen. Nach ihrem Vortrag stehen sie Rede und Antwort. „Mit über 900 Euro pro Monat verdient man im ersten Jahr richtig gut“, erzählen sie offen. „Die Ausbildung ist klasse, aber ohne technisches Verständnis und handwerkliches Geschick macht sie wenig Spaß“, betont Ohly. „Nichts für mich, denn wenn ich mit den Händen arbeite, geht meistens was schief“, sagt grinsend der 16-jährige Malek Sahebzada.

Mitschülerin Mimi Bleu findet es toll, dass man durch das Projekt so viele Einblicke gewinnt und auch mal selbst was ausprobieren kann: „Technik liegt mir, dafür habe ich hier die Bestätigung bekommen.“ Neben dem Besuch bei Ringspann stehen für die Schüler weitere Termine an, unter anderem bei Continental in Karben und Rolls-Royce in Oberursel. Zudem gibt es ein Bewerbungstraining.

Diese Art der Berufsorientierung hat an der Schule am Gluckenstein Tradition. Viele Jugendliche haben über I am MINT bereits einen Praktikumsplatz, etliche einen Ausbildungsplatz bekommen. Stefanie Braun, Leiterin des Realschul- und Gymnasialzweigs der Schule am Gluckenstein: „Die meisten legen an den Werkbänken richtig los und entdecken plötzlich eigene ungeahnte Talente.“

So wie Ilham, die eigentlich Innenarchitektin werden möchte und bei Ringspann nun ins Nachdenken kommt: „Vielleicht gibt es ja auch hier einen Beruf, der zu mir passt.“


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