Zwei Generationen, ein Arbeitgeber

Bei Eich Rollenlager arbeiten Vater und Sohn in der Dreherei

Hattingen. Mirco Johannes dreht die kleineren Dinge, Vater Stefan die größeren. Beide arbeiten beim Hattinger Spezialisten für Wälzlagertechnik, Eich Rollenlager. Und vor sechs Jahren stand auch noch Opa Robert in der Dreherei.

„Als ich eine Ausbildung suchte“, erzählt Mirco Johannes, „wollte die Familie erst mal sehen, ob es etwas anderes als Zerspanungsmechaniker gibt. War aber alles nix“, schmunzelt er. So ist er nun seit gut fünf Jahren im Betrieb. An seiner Maschine dreht der Metaller Lager-Korbringe und fräst die Walzenlöcher hinein.

Früher belieferte der Betrieb vor allem Zechen

Runde Sachen macht auch sein Vater, doch die sind größer: Massivbüchsen für Zylinderlager. „Die Firma ist für uns wie eine große Familie“, sagt jeder von ihnen.

Ihr Chef Christoph Krücken führt den Familienbetrieb in der vierten Generation: „Früher arbeiteten wir hauptsächlich für die Zechen. Heute liefern wir unsere Lager an alle namhaften Anlagenbauer und Stahlwerke weltweit“, sagt er.

Die Firma macht Kleinserien und Unikate. Maßschneiderei nennt das Krücken: „Es sind eher hochpreisige Produkte, aber sie sind ihr Geld wert. Weil sie Ansprüche erfüllen, an die andere Lager nicht herankommen.“ Er nennt als Beispiel Federrollenlager aus speziellem Federstahl für Müllverbrennungsanlagen: Sie fangen Stöße flexibel ab und halten hohe Temperaturen aus.

Oder Spindellager, die man in zwei Hälften zerlegen kann. So gelingt der Anlagenumbau schneller. „Und wenn ein Kunde das Stück um einen Millimeter kürzer haben will, machen wir auch das.“ Andere Geometrien, neue Werkstoffe: Geht alles. Konkurrenz gibt es auch in diesem Geschäft, hauptsächlich aus Fernost. Aber selbst Arbeitsplätze auszulagern, kam nicht infrage: „Man bekommt keine gleichbleibende Qualität.“

Für diese braucht der Betrieb Fachkräfte und zieht sie selbst heran. Ein Zehntel der 80-köpfigen Belegschaft sind Azubis. Das Unternehmen bildet über Bedarf aus. „Es war immer ein Anliegen meines Vaters, auszubilden, und ich fühle mich der Idee verpflichtet. Außerdem haben wir so kein Facharbeiterproblem.“

Dabei hat die Firma in den letzten zehn Jahren die Zahl der Arbeitsplätze fast verdoppelt, viele der Altgedienten gingen wie Großvater Johannes in Rente. Aber die nächste Generation stand schon bereit. Die Firma gibt auch Jugendlichen mit schlechten Noten eine Chance. „Für uns gibt es kein schöneres Gefühl, als mit eigenen Azubis zu arbeiten und ihre Entwicklung zu sehen“, sagt Betriebsleiter Mario Leipski, auch er ein Firmengewächs.

In der Schule keinen Bock – doch im Berufsalltag wurde er zum „Super-Azubi“

Einer, der sich prächtig entwickelt hat, ist Dustin Hörster: Ihn hat Leipski in der Dreherei ausgebildet. Dustin ist ein Eich-Kind, praktisch in der Fabrik aufgewachsen: Vater und Mutter arbeiten in der Montage, bei Eich hat er sein Schülerpraktikum gemacht und in den Ferien gejobbt. In der Schule hatte er keine Lust, sich anzustrengen: „Wenn man immer runtergemacht wird, hat man irgendwann keinen Bock mehr.“

Doch er hat die Kurve gekriegt – „ein Super-Azubi!“, lobt Leipski: „Er hat an Selbstbewusstsein gewonnen und unheimlich viel gelernt.“


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