Wenn Mitarbeiter in Not sind

Bei diesem Unternehmen hilft eine unabhängige Therapeutin aus der Patsche


Die Pädagogin Montserrat Minguet hat beim Autozulieferer Brose einen besonderen Job: Sie hilft Menschen aus der Patsche

Wuppertal. Manuela Kuhne spürt bei Kollegen aus anderen Unternehmen immer wieder dieselbe Skepsis: Jemand, der sich ausschließlich um die Sorgen und Anliegen der Mitarbeiter und ihrer Familien kümmert – rechnet sich das? Eine Frage, die die Personalleiterin bei Brose in Wuppertal nicht wirklich nachvollziehen kann. Sie sagt: „Man muss sich darum kümmern – Punkt! Die Wertschätzung für die Menschen ist bei uns Teil der Unternehmenskultur.“

Etwa 600 Mitarbeiter sind am Wuppertaler Standort des Automobil-Zulieferers beschäftigt, der hier Schließsysteme produziert. Eine davon ist seit März 2011 Montserrat Minguet. Die ausgebildete Pädagogin und Therapeutin ist verantwortlich für die Mitarbeiter- und Familienbetreuung am Standort.

Beraterin verfügt über ein Netzwerk

Egal, ob es Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten gibt, eine Kinderbetreuung gesucht wird, die Pflege Angehöriger zu organisieren ist oder einem die Schulden fürs Eigenheim über den Kopf wachsen: Entweder sie hilft selbst – oder vermittelt an Beratungsstellen. Dabei nutzt sie ein Netzwerk aus Partnern, zu denen ein Fachteam gehört, aber auch Organisationen wie Caritas und Diakonisches Werk.

Minguet hat ihr Büro in der Nähe, aber bewusst außerhalb des Werkgeländes. Der Raum ist einer der wenigen im ganzen Betrieb, der nicht offen oder verglast ist. Aus diesem Büro dringt nichts nach außen – kein Chef erfährt, was er nicht erfahren soll.

Vertrauen und Vertraulichkeit gelten hier ganz besonders. Alle, ob Schichtarbeiter oder Führungskraft, Festangestellter oder Zeitarbeiter, dürfen zu ihr kommen. Und sie kommen.

Schon das Wissen um die Existenz der Beraterin ist eine Hilfe für die Mitarbeiter. Wie viele andere hat auch Christina Feller sie schon aufgesucht. Die Controllerin in Führungsposition, mit gerade mal 30 Jahren schon weit auf der Karriereleiter aufgestiegen, ist schwanger.

Zuerst hatte die neue Situation sie verunsichert. Sie beschreibt sich selbst als äußerst zielstrebig, und die Schwangerschaft „war dazu erst mal konträr“. In Gesprächen mit Minguet aber fand sie die Lösung: Eine Kombination aus Teilzeit, Tagesmutter und flexibler Arbeitszeit bietet ihr die Möglichkeit, weiter für die Firma tätig zu sein – und genug Zeit für das Kind zu haben.

Personalchefin Manuela Kuhne sieht die Mitarbeiter- und Familienbetreuung als Teil eines Gesamtkonzeptes mit vielen Bausteinen. Gesundheitsprävention, flexible Arbeitszeiten, gute Betriebsgastronomie, Angebote für die Freizeit – und vor allem: gelebte Kommunikation. Offenheit und ständige Gesprächsbereitschaft, die sich in Architektur und Einrichtung auf dem gesamten Gelände widerspiegeln. Und das gilt für die ganze Brose-Gruppe, weltweit.

Konzept überzeugte auch die Kanzlerin

Am Stammsitz in Coburg zum Beispiel gibt es einen „Kids Club“, in dem Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren betreut werden. Sie sind hier nach der Schule und in den Ferien nicht nur gut untergebracht, sondern erhalten ein umfangreiches Bildungsangebot: von Sprachkursen über technisch-naturwissenschaftliche Experimente bis hin zu Exkursionen.

Dieses Konzept überzeugt auch die Politik. So wurde  Brose im Frühjahr von der Bundeskanzlerin mit dem Innovationspreis des Unternehmenswettbewerbes „Erfolgsfaktor Familie“ ausgezeichnet.

Info: Brose

Das 1908 gegründete Familienunternehmen Brose beschäftigt heute rund 20.000 Mitarbeiter in 23 Ländern. Mehr als 80 Automobilmarken und über 30 Zulieferer werden mit mechatronischen Systemen und Elektromotoren beliefert. Im Jahr 2011 hat Brose erstmals den Sprung über die Marke von 4 Milliarden Euro Umsatz geschafft.

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