Mittelstand

Bei diesem Gummi-Verarbeiter ist alles aus einem Guss


Mittenwalde. Die Maschine, die Jens Kaubisch auf dem großen Foto oben akribisch mit einem Pinsel reinigt, hat es in sich: „Sie verarbeitet gleichzeitig Kunststoff und Gummi“, erläutert der Mitarbeiter der Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung in Mittenwalde (Brandenburg). „Während das gerade gespritzte Plastestück noch abkühlt, wird eine Gummidichtung aufgespritzt und sofort vulkanisiert.“

Nur ein Arbeitsgang ist also nötig, bis die Endprodukte in die Sammelkiste purzeln: Kondensatordeckel für die Elektro-Industrie – eines von vielen Produkten der Firma, die auch für die Automobil-Industrie ein gefragter Zulieferer ist.

„Das Mehrkomponenten-Spritzgießen ist ein gewaltiger Vorteil“, erläutert Geschäftsführer Thomas König, der zusammen mit seinem Kompagnon Bernd Moos das Unternehmen besitzt und leitet. „Man muss das Teil nicht erneut in die Hand, keine zweite Maschine in Anspruch nehmen. Und eine aufwendige Dokumentation der Produktion entfällt.“

Mehr als 1.000 verschiedene Produkte

Je nach Auftrag übernimmt die Firma nicht nur die Produktion der Teile, sondern auch ihre Kons­truktion. Häufig wird auch das dazu erforderliche Spritzgieß-Werkzeug selbst gebaut. Und bei komplexen Aufträgen, etwa wenn Metallteile hinzugefügt werden müssen, wird in Mittenwalde auch montiert.

Diese Kompetenzen haben die Motzener schon seit den 1980er-Jahren erworben: Damals wurde die Gummi-Verarbeitung zum zweiten Standbein der Firma, die bis dahin vor allem mit Kunststoff gearbeitet hatte. Als König und Moos 1993 die Firma von der Treuhand kauften, war die Fähigkeit zum Mehrkomponenten-Spritzgießen ihr Ass im Ärmel auf dem Markt. Rasch wuchs der Betrieb von anfangs 15 auf 40 Mitarbeiter; mittlerweile sind es 60.

Mehr als 1.000 verschiedene Produkte hat die Firma heute im Sortiment. Rund fünf Millimeter kleine Dichtungen werden ebenso dreischichtig produziert wie sogenannte O-Ringe in allen Größen – oder Gummidichtungen für Achsantriebe von Riesenlastern.

„Auch diese großen Produkte, mit bis zu 1,50 Metern Durchmesser, werden im Ganzen gespritzt“, erklärt König. Der Vorteil: Es gibt keine Verbindungsstellen, die Schwachpunkte aufweisen könnten. „Wir haben die Zeit der großen Krise 2008/09 genutzt, um dafür eine rund 500.000 Euro teure Maschine zu kaufen und uns mit ihr vertraut zu machen.“

Übrigens: Als der Betrieb vor 82 Jahren gegründet wurde, arbeiteten hier die weltweit ersten Handhebel-Spritzpressen für Kunststoffe, erfunden vom Firmengründer Hermann Buchholz. Eine von ihnen steht in einem Washingtoner Museum, eine im hiesigen Haus des Gastes. „Unsere Lehrlinge haben sie vor Jahren wieder in Schuss gebracht“, erzählt König. Sie kommt etwa bei Stadtfesten zum Einsatz, um für die Gäste zum Beispiel Einkaufschips zu produzieren.

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