Seit 250 Jahren extrem präzise: Breithaupt & Sohn

Bei der Vermessung der Welt von Anfang an dabei


Kassel. Für den Fotografen haben sie sich exakt aufgestellt: Vermesser in Persien, dem heutigen Iran, um 1900. Der Zweck ihres Einsatzes ist nicht mehr bekannt – aber: „Diese Männer arbeiten mit Instrumenten von uns, das ist gewiss“, erklärt Dr. Hans-Friedrich Breithaupt, Chef der Firma F. W. Breithaupt & Sohn in Kassel.

Damit waren die Perser nicht etwa eine Ausnahme. Um 1900 waren die optisch-feinmechanischen Produkte des hessischen Unternehmens bei Vermessern in der ganzen Welt im Einsatz, die Firma selbst schon ein traditionsreicher Betrieb.

475.000 Instrumente aus Kassel

Denn Breithaupt ist geschäftsführender Gesellschafter in achter (!) Generation: 1762, also vor 250 Jahren, hat sein Urahn Johann Christian Breithaupt mit der Herstellung von Instrumenten begonnen. 1762: Da ist Mozart ein gefeierter Kinderstar. Katharina die Große wird Kaiserin von Russland. Und die USA gibt es noch gar nicht …

Es sind das Magnetfeld und die Messung von Winkeln, Lagen und Entfernungen, die es Breithaupt vor allem angetan haben. Und seinen Nachfahren: Als der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß ein wegweisendes Gerät entwickelt, ist der Enkel des Firmengründers beteiligt; der „Heliotrop“ macht die Vermessung der Welt erst möglich.

Ob beim Bau von Straßen, Tunneln oder Eisenbahn-Trassen – bald geht nichts mehr ohne die präzisen Instrumente aus Kassel. Bereits im frühen 19. Jahrhundert wird exportiert, etwa in den Orient und nach Südamerika, die Serienproduktion beginnt.

Bis heute hat das Unternehmen rund 475.000 Instrumente in alle Welt geliefert. Und noch immer sind Magnetfeld und Winkel die Basis der Produkte: „Die physikalischen Grundlagen sind ja immer noch die gleichen, nur die Technologie des Messens hat sich geändert“, erklärt Seniorchef Hans-Helmut Breithaupt.

Die Palette reicht von Kompass und Nivelliergerät bis hin zu Justierkamerasystemen, die zum Beispiel beim Ausrichten von Papiermaschinen oder in Produktionsanlagen der Automobilindustrie eingesetzt werden. „Haargenau“ ist dabei nicht genau genug: „Fehler im Mikrometerbereich bedeuten bei einem Fernrohr und Messungen auf einen Kilometer schnell Abweichungen von über einem Meter – das würde niemand tolerieren“, so Hans-Friedrich Breithaupt.

Vorsprung vor dem Massenmarkt

Vom inzwischen chinesisch dominierten Massenmarkt soll sich der Traditionsbetrieb weiterhin abheben: durch hohe Qualität, garantiert durch hauseigene Konstruktion, Fertigung und Montage.

Und damit durch Mitarbeiter wie Karl Friedrich Brede. 1977 begann er als Lehrling, heute ist er Fertigungsleiter. Er sagt: „Ich bin stolz, mit meiner Arbeit Teil einer so traditionsreichen Firmengeschichte zu sein – und setze hier bewusst auch meinen Fingerabdruck.“

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Info: Instrumente im Museum

Anlässlich des 250-jährigen Firmenjubiläums gibt es eine Sonderschau mit Geräten von F. W. Breithaupt & Sohn im Astronomisch-Physikalischen Kabinett der Kasseler Orangerie. Noch bis Mitte März 2013 schlägt die kleine Ausstellung einen Bogen von den Anfängen der feinmechanischen Manufaktur im 18. Jahrhundert zu den hochkomplexen Messsystemen unserer Zeit.

www.museum-kassel.de

Unternehmen in diesem Artikel

F.W. Breithaupt & Sohn GmbH & Co. KG

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F.W. Breithaupt & Sohn GmbH & Co. KG
Adolfstraße 13
34121 Kassel

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