Papierverarbeitung

„Bei den Mitarbeitern kommt zu wenig an!“


Heinrich Spies, neuer Präsident des Arbeitgeberverbands HPV, zu Konjunktur und Einkommen

Am 27. Juni 2008 wurde Dr. Heinrich Spies (Foto) zum neuen Präsidenten des Hauptverbandes Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) gewählt. AKTIV fragte ihn nach dem Tarifabschluss 2008, nach den konjunkturellen Erwartungen und nach dem Einkommen der Mitarbeiter.

Interview

AKTIV: Ihr Verband hat nach dem Abschluss – 3,9 Prozent in der ersten und 2,9 Prozent in der zweiten Stufe – von einem „nur schwer verkraftbaren Ergebnis“ gesprochen. Ist das eine der üblichen pflichtschuldigen Floskeln?

Spies: Ganz und gar nicht! Es ist eine enorme Kostensteigerung, die die Belastungsgrenze der Firmen strapaziert. Für meinen Betrieb fallen 400.000 Euro mehr Löhne im Jahr an, die wir unmöglich in unseren Preisen unterbringen können. Das könnte bedeuten, dass wir unsere Kosten auch beim Personal senken müssen.

AKTIV: Der Tarifkampf dieses Jahres wurde von Verdi unter dem Motto „Aufschwung für alle“ geführt. Ist durch den Abschluss vom Mai bei allen etwas angekommen?

Spies: Zunächst einmal: Viele unserer Mitarbeiter haben auf die Forderung der Gewerkschaft mit ungläubigem Staunen reagiert. Es war ihnen nicht zu vermitteln, dass 8 Prozent eine realistische Forderung sei. Nun: Der Abschluss, den wir erreicht haben, war ein politischer Abschluss, der angesichts der hohen Abschlüsse anderer Branchen nicht niedriger ausfallen konnte. Von hohen Abschlüssen aber  kommt beim Mitarbeiter zu wenig an.

AKTIV: Was sind die Gründe?

Spies: Die wunderbare Formel der Nachfrage-Verstärkung durch erhöhte Lohnabschlüsse können wir schlicht vergessen. Denn durch höhere Steuern und Abgaben und steigende Preise – siehe Benzin! –  wird so viel abgesogen, dass beim Mitarbeiter wenig übrig bleibt. Und das tut mächtig weh – unglaubliche  Lohnerhöhungen, die uns Unternehmer extrem belasten, von denen der eigene Mitarbeiter aber praktisch nichts hat.

AKTIV: Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Spies: Na ja, der Geschäftsklima-Index ist zuletzt gesunken. Aber es ist schwierig, alles auf einen Nenner zu bringen, weil die Branche so heterogen ist. Der Faltschachtel-Industrie etwa geht es zur Zeit sicher gut, aber andere Industriezweige haben unter der schwachen Binnenkonjunktur zu leiden, unter hohem Preisdruck und unter enormen Kostensteigerungen, die sie in den Marktpreisen nicht weitergeben können.

AKTIV: Insgesamt also …

Spies: … wird sich die Lage in absehbarer Zeit deutlich verschlechtern.

AKTIV: Sie sagten in Ihrer Antrittsrede, die Arbeitgeber hätten im Vergleich zum Tarifpartner stets die „sozialeren Konzepte“ gehabt. Was bedeutet das?

Spies: Das ist relativ simpel. Wir Unternehmer, die wir am Verhandlungstisch sitzen, haben immer auch das Wohl unserer Mitarbeiter und ihrer Familien vor Augen. Wir haben eine soziale Verantwortung wahrzunehmen. Es geht uns um die Sicherung von Arbeitsplätzen. Manches Mal muss man sich fragen, ob die Gewerkschaften auch diesen Anspruch haben oder ob es ihnen nur um die Bedienung ihrer eigenen Klientel geht.

AKTIV: Wenn der Mittelständler Spies einen Wunsch an den Staat frei hätte – welcher wäre das?

Spies: Nur so viel und kurz und knapp – der Staat sollte uns und alle Menschen lieber in Ruhe arbeiten lassen, statt  ständig vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Das würde schon reichen.

AKTIV: Wie sehen Sie als Präsident dieses Verbandes die Rolle der Arbeitgeber in der Zukunft?

Spies: Ich bin sehr dankbar, dass immer noch genug Unternehmer bereit sind, sich zu engagieren. Der Familienunternehmer hat, wie gesagt,  ohnehin ein besonderes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern. Das äußert sich dann auch in Konzepten, die ein Arbeitgeberverband durchzusetzen versucht.

Lohngerechtigkeit allein kann uns nicht wettbewerbsfähig halten – Qualifizierung und Bildung gehören in hohem Maße dazu.

Andererseits muss den Beschäftigten klargemacht werden, dass sie für ihre Sicherheit im Alter selber mehr tun müssen. Dabei wollen wir Hilfestellung leisten. Rudolf Spiegel

 

Info: HPV-Präsident Heinrich Spies

Dr. Heinrich Spies (47) führt als Geschäftsführender Gesellschafter in dritter Generation das Unternehmen mit Sitz in Düren und Niederlassungen in Österreich und der Schweiz.

Bei der Firma mit dem Traditionsnamen gehören aktuell neben anspruchsvollen Briefhüllen und der Veredelung eines  umfangreichen Papier- und Kartonsortiments auch Selbstklebe-Etiketten und Papiere für Laser- und Inkjektdrucker zur Produktpalette.

Das Unternehmen („Wir haben Ihr Papier!“) beschäftigt 170 Mitarbeiter, davon 120 am Stammsitz Düren.

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