Hier entsteht die Welt

Bei Columbus wird der Globus noch von Hand geklebt

Krauchenwies. Einmal um die ganze Welt: Mit dem Finger auf dem Globus geht das ganz leicht. Lange Zeit war das für viele Menschen die einzige Möglichkeit, ferne Länder zu erkunden. „Mit dem Globus kann man nach wie vor die Welt entdecken“, sagt Torsten Oestergaard, Chef und Eigentümer von Columbus, dem ältesten Globushersteller weltweit.

Der Marktführer verkauft jedes Jahr eine sechsstellige Zahl der nachgebauten Weltkugeln, Tendenz steigend. „Auch im Zeitalter des Internets hat der Globus seinen festen Platz“, sagt Oestergaard. „Man versteht die globalen Zusammenhänge.“ Nur auf der Kugel könne man die Kontinente in der richtigen Größen- und Abstandsverhältnissen darstellen.

Erdball in Orange mit Swarovski-Steinen

Außerdem schlage er schon optisch alle anderen Darstellungen von der Welt. „Was das Internet zusätzlich bietet, haben wir in unser Zubehör aufgenommen“, ergänzt er. Der gute alte Globus kann sich im Zeitalter der Digitalisierung noch immer sehen lassen.


Im oberschwäbischen Krauchenwies werden seit 1909 Globen hergestellt. Mittlerweile gibt es den Erdball in hellen oder dunklen Farben, mit Tag-Nacht-Beleuchtung oder in knalligem Orange, verziert mit Swarovski-Steinen.

In der Manufaktur, die der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle als eine der schönsten der Welt geehrt hat, bekleben Frauen durchsichtige Kugeln aus Kristall- oder Acrylglas mit jeweils zwölf Teilen der Weltkarte. Alles wirkt entspannt wie an einem Bastelnachmittag. Dabei ernährt das Familien-Unternehmen rund 40 Mitarbeiter. Für Oestergaard ist das kein Widerspruch: „Wir stehen hinter unserem Produkt, das spürt der Kunde.“

Ein Mitarbeiter verpackt gerade ein Prachtexemplar mit einem Meter Durchmesser, der bald ein deutsches Wohnzimmer verschönern wird. Besonders das Geschäft mit hochwertigen Modellen für mehrere Tausend Euro läuft gut. Kunden sind in der Regel Privatleute. Rund drei Viertel der Erdkugeln werden in Deutschland verkauft.

Bei aller Idylle könnte man fast vergessen, wie hart der mittelständische Traditionsbetrieb für seinen Erfolg kämpfen musste. Nach der Wiedervereinigung stand das Unternehmen vor dem Aus. Niemand wollte mehr einen Globus kaufen, auf dem die DDR und die Sowjetunion noch eingezeichnet waren. Die Händler stornierten ihre Aufträge, Tausende Globen wurden eingestampft. In dieser Krise übernahm Torsten Oestergaard das Unternehmen von seinem Vater und fing von vorne an.

Brasiliens Wasserfälle ansehen

Vorangetrieben hat er seine Firma mit Innovationen. Oestergaard erfand den Kinderglobus und etablierte neben der Handarbeit die Maschinenfertigung für einfache Modelle. Mit dem sprechenden Globus, der mittels Audiostift das Weltgeschehen erklärt, schaffte er den „Spagat zwischen analoger und digitaler Welt“.

Den Stift gibt’s jetzt auch mit Videofunktion. So kann man sich Brasiliens Wasserfälle oder die Löwen Afrikas ansehen – und von einer Reise um die Welt träumen.

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