Trainieren wie die Spitzensportler

Bei Bosch und Siemens Hausgeräte gibt es für alle Mitarbeiter ein besonderes Fitnessprogramm


Giengen an der Brenz. Die Schnur durch die Ösen ziehen, in der richtigen Reihenfolge: „Das sieht einfach aus, aber man muss sich ganz schön konzentrieren“, sagt Markus Morawietz und lacht. Mit diesem Warm-up beginnt das Programm im neuen Trainingscenter der Firma BSH Bosch und Siemens Hausgeräte. Morawietz und drei seiner Kollegen werden gerade fit gemacht für ihre Arbeit in der Fertigung.

Die Giengener Fabrik ist das größte Kühlschrankwerk des Konzerns in Europa. 2.500 Mitarbeiter produzieren hier auf der Ostalb jährlich 1,6 Millionen Kühlschränke und Gefriergeräte.

Nach dem Aufwärmen wartet dann die erste Aufgabe: Die Gruppe übt und optimiert zusammen mit ihrem Trainer die wichtigsten Arbeitsschritte in der Produktion.

Hier stehen keine Anfänger: Morawietz (43) zum Beispiel arbeitet seit 1991 in der Montage der Kältefabrik. Auf die Frage, die jetzt kommt, ist Projektleiter Harald Hoidekr schon vorbereitet: „Warum schickt ihr Mitarbeiter, die schon über 20 Jahre in der Montage arbeiten, ins Trainingscenter? Ganz einfach: Auch Spitzensportler müssen laufend trainieren, um noch besser zu werden.“

Deshalb hat man diese im Konzern einzigartige Einrichtung nicht Schulungs-, sondern Trainingscenter genannt, eben wie im Sport.

Im kommenden Jahr werden 15 Millionen Euro investiert

Morawietz findet das fünftägige Coaching super: „Man erfährt, wie die Arbeitsschritte zusammenhängen und welchen Beitrag man selbst dazu leistet“, sagt er. „Die Mitarbeiter sollen wissen, was sie tun und warum sie es so machen“, erläutert Hoidekr. Entstanden ist die Idee, nachdem der ganze Produktionsablauf auf Schwachstellen durchleuchtet wurde. „Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass manche Fehler einfach immer weitergegeben werden“, so Hoidekr. Deshalb werden auch alle neuen Mitarbeiter ab sofort hier trainiert. Ziel ist, Standards zu schaffen und möglichst fehlerlos zu produzieren. Dabei kommt es auf jedes Detail an, zum Beispiel darauf, dass ein Klebestreifen exakt angebracht wird.

Außerdem hat die gesundheits- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung eine hohe Priorität. „Mit dem Training fördern wir einerseits die flexible Einsetzbarkeit der Mitarbeiter. Andererseits vermeiden wir damit einseitige Belastungen“, erläutert Hoidekr. Deshalb ist die Ergonomie hier eine eigene Übungseinheit. Es wird beispielsweise gelernt, wie man rückenschonend eine Kühlschranktür anhebt.

In den nächsten Jahren werden alle Produktionsmitarbeiter durch das Trainingscenter geschleust – ein Fitnessprogramm für den ganzen Standort. „Die Aussichten für 2014 sind positiv“, sagt Standortleiter Roland Lepold. „Im kommenden Jahr werden wir 15 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen investieren.“

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