Ideenmanagement: Der Trick mit den „Makkaroni“

Bei Bayer, Evonik und Dörken: Wie kluge Mitarbeiter Chemie-Firmen voranbringen

Geistesblitze verbessern Prozesse und sparen wertvolle Ressourcen ein. Der Pharmakonzern Bayer in Bergkamen spart zum Beispiel dank einer neuen Belüftung Zigtausende Kilowatt pro Jahr. Die Idee hatten zwei Mitarbeiter.

Gekonnt: Joachim Langner und Silke Schellhöh optimieren die Belüftung. Foto: Werk

Gekonnt: Joachim Langner und Silke Schellhöh optimieren die Belüftung. Foto: Werk

Clever: Jochen Lipps entwickelte für Dörken eine flüssige Abdichtfolie. Foto: Werk

Clever: Jochen Lipps entwickelte für Dörken eine flüssige Abdichtfolie. Foto: Werk

Ideen-Gewinnerin: Marta Canas-Ventura, Physikerin bei Evonik. Foto: Werk

Ideen-Gewinnerin: Marta Canas-Ventura, Physikerin bei Evonik. Foto: Werk

Bergkamen. In einer braunen Brühe hängen lange Hohlfasern. „Makkaroni“ nennt Joachim Langner die Membranen: Sie filtern die Biomasse aus dem Abwasser der Produktionsanlagen von Bayer in Bergkamen. Um sie vor Ablagerungen zu schützen, muss man die Klärbecken mit starken Gebläsen belüften. Der Luftstrom hält die Membranen ständig in Bewegung. Wie das ressourcenschonender geht, überlegten sich Langner und seine Kollegin Silke Schellhöh.

Am Standort stellt der Pharmakonzern Hormone für die Verhütung und Kontrastmittel für Röntgen- und MRT-Untersuchungen her. Die „Makkaroni“ sind ein Nadelöhr: „Wenn sich ihre Poren verstopfen, muss im schlimmsten Fall die Produktion heruntergefahren werden“, erklärt der Industriemeister. Membranen neuerer Bauart kommen mit weniger Luft aus, stellten Langner und Chemielaborantin Schellhöh fest. Sie entwickelten eine bedarfsgerechte Belüftung mit einer Stromkosten-Ersparnis von 25 Prozent. „Das sind 570.000 Kilowattstunde pro Jahr“, sagt Langner. Zudem halten die Membranen länger, weil sie mechanisch weniger beansprucht sind. Dafür gab’s eine Prämie im hauseigenen Ideenforum.

Dort reichen die 1.500 Mitarbeiter vor Ort bis zu 600 Ideen pro Jahr ein. „Ungefähr die Hälfte davon wird umgesetzt“, weiß der Leiter des Ideenforums, Jens Herold. Bei den Vorschlägen geht es etwa um Arbeitssicherheit, Gesundheitsförderung, kostengünstigere Analysematerialien, Ressourcen-Einsparungen oder um die Optimierung einzelner Prozesse. Herold sagt: „Das bringt uns dieses Jahr einen wirtschaftlichen Nutzen von gut 1 Million Euro.“

Fast 20 Vorschläge hat Langner während seiner 30-jährigen Betriebszugehörigkeit selber gemacht. „Die meisten wurden umgesetzt“, sagt er stolz und denkt bereits über weitere Energieeinsparungen nach.

Auch andere Firmen profitieren von den klugen Köpfen ihrer Mitarbeiter. Beim Spezialchemie-Konzern Evonik gingen letztes Jahr bundesweit mehr als 5.500 Vorschläge ein. „Jede 2015 bewertete Idee spart uns im Schnitt gut 1.500 Euro“, sagt Bernhard Schnittker, Leiter des zentral organisierten Ideenmanagements.

In einem internen Wettbewerb – dem Global Ideation Jam – sucht Evonik zudem Ideen mit Potenzial für neue Geschäftsfelder, Produkte oder Arbeitsprozesse. Die Gewinnerin 2016, Marta Canas-Ventura, bekommt ein Jahr lang 200.000 Euro, um ihre Idee zur Marktreife zu bringen. Die Physikerin tüftelt an einer intelligenten Tinte, welche die korrekte Lagerung von Medikamenten anzeigt.

Und Dörken, Produzent von Bauverbundfolien, Baufarben und Mikroschicht-Korrosionsschutz in Herdecke, wurde bereits mehrfach als Top-Innovator des Jahres ausgezeichnet. Dabei hat das Unternehmen nur rund 1.000 Beschäftigte. Die aber sind hochmotiviert und dokumentieren ihre Ideen in einem „digitalen Zettelkasten“.

„Einmal im Jahr laden wir zum offenen Austausch, beispielsweise in ein World Café, ein“, erzählt Innovationsmanager Ilias Mokanis. Dort sitzen Werker, Mitarbeiter aus der Verwaltung sowie Mitglieder der Geschäftsleitung zusammen – und „spinnen“ gemeinsam neue Ideen.


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