Frauen in Führungspositionen

Bayerische M+E-Firmen wollen mehr Frauen in der Chefrolle

Garching. Die Quote für Aufsichtsräte ist beschlossene Sache: 30 Prozent der Posten vieler börsennotierter Unternehmen müssen künftig mit weiblichen Führungskräften besetzt sein.

Bayerische Firmen setzen schon seit längerem und relativ früh auf dem Berufsweg an, um Frauen für höhere Positionen zu fördern. Sie vertrauen auf Wissen und Können statt auf Quoten.

„Frauen in Führungspositionen“ heißt das Förderprogramm, mit dem die Arbeitgeber der bayerischen Metall- und Elektroindustrie und das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft seit 2010 weibliche Fachkräfte unterstützen. Es gibt ihnen das nötige Rüstzeug, um sich für einen Job als Führungskraft zu qualifizieren.

„Eine tolle Sache“, sagt Sina Rohlfing (28), die zurzeit an dem Programm teilnimmt. „Mir gefällt vor allem der enge Bezug zur Praxis“, betont die Mitarbeiterin des Antriebstechnik-Herstellers Voith Turbo in Garching bei München.

Die junge Frau ist Prozessplanerin in der Logistik und optimiert die Abläufe im Werk, etwa indem sie den Materialfluss effizient gestaltet. Neben ihrem Job ackert Rohlfing für ihren Bachelor-Abschluss als Wirtschaftsingenieurin für Logistik.

Dank des Förderprogramms bildet sich die junge Frau auf Seminaren und in kleinen Teams weiter. Außerdem steht sie im Austausch mit einem Mentor. Das hilft enorm. „Wenn ich ihn treffe, kann ich das Wissen aus den Workshops mit seinen Erfahrungen verbinden.“

Neben ihrem Arbeitgeber Voith machen im Programm rund zwei Dutzend weitere Unternehmen mit, von Bauer Maschinenbau in Schrobenhausen bis ZF in Schweinfurt. Im Sommer 2014 wurde die dritte Staffel gestartet. Manche Firmen beteiligen sich zum wiederholten Mal – zum Teil mit mehreren Kandidatinnen.

Insgesamt 100 junge Frauen wurden seit 2010 auf ihrem Karriereweg unterstützt

Insgesamt 100 junge Frauen haben Trainer und Mentoren schon auf ihrem Karriereweg begleitet. Voith ist im Programm seit Beginn dabei. Die Firma will nicht nur den Anteil an Frauen in der Belegschaft, sondern auch auf der Führungsebene erhöhen. Derzeit liegt er im ganzen Konzern bei 13 Prozent.

„Vielfalt und Gleichbehandlung tragen zum Erfolg des Unternehmens bei“, sagt Werkleiter Steffen Krippendorf. „Alle fünf Mitarbeiterinnen, die teilgenommen haben, sind sich einig, dass sie sowohl persönlich als auch beruflich vom Programm profitiert haben“, berichtet er.

Doch für den Aufstieg von Frauen, insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie, können Unternehmen nicht allein sorgen. Dafür müssen sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern.

So ist in der Industrie oft Technikwissen Voraussetzung für einen Chefposten. Gerade das fehlt Frauen immer noch häufig. Erst wenige besuchen die passenden Studiengänge oder lernen einen entsprechenden Beruf. Zudem erschwert Teilzeitarbeit, meist wegen der Familie, den Karriereweg vieler Frauen.

Fakten

Berufswahl und Teilzeit bremsen viele Frauen aus

  • In Produktions- und Technikberufen ist nur jeder achte Anfänger weiblich. In MINT-Studiengängen (Mathe, Ingenieur- und Naturwissenschaften, Technik) liegt der Frauenanteil bei einem Drittel.
  • In Familien mit Kindern unter 14 Jahren arbeiten Frauen zu 70 Prozent in Teilzeit. Bei den Männern sind es nur 5 Prozent.
  • In vier von fünf deutschen Unternehmen arbeiten alle Führungskräfte Vollzeit.

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