Umwelt

Bayer packt den Klimawandel an


Der Konzern will eine Milliarde investieren und seinen Kohlendioxid-Ausstoß weiter senken

Vor ein paar Jahren war es noch undenkbar. Ein Konzernchef aus der Chemie predigt für das Klima! „Es gibt keinen Zweifel mehr: Der Klimawandel  ist  im  Gange.“  Findet  er und: „Es geht jetzt mehr denn je darum, den Klimaschutz zu verstärken.“ Sowie: „Wir brauchen eine Trendwende beim Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid.“

Wer das sagt? Kein Geringerer als Bayer-Boss Werner Wenning. Und der Vorstandschef des Chemie- und Pharma-Riesen zieht Konsequenzen: Bayer geht für den „Blauen Planeten“ in die Offensive. Der Konzern verordnet sich ein striktes Klimaschutz-Programm.

„Bemerkenswertes Signal“

Eine Milliarde Euro will Bayer in den nächsten drei Jahren in Anlagen und Forschungen für den Klimaschutz stecken. Der Ausstoß beim Treibhausgas Kohlendioxid soll im energie-intensiven Teilkonzern Bayer MaterialScience pro Produkt-Tonne bis 2020 weltweit um bis zu 25 Prozent sinken und jeder Betrieb einen „Klima-Check“ machen. Und Bayer will beim Klimaschutz helfen – mit neuen Produkten, Pflanzen und Ideen.

Das ist ein wichtiger Schritt, findet die Umweltökonomin Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Ein Klimaprogramm in dieser Größenordnung sei ein „bemerkenswertes Signal und eine wichtige Weichenstellung“, sagt sie. Denn: „Die Chemie hat den Klimaschutz bisher eher als Wirtschaftsbremse begriffen.“

Was sich Bayer vornimmt:

     

  • Weniger Klimagas. Sein  Ausstoß  soll  bis  2020 deutlich sinken. Und zwar um 25 Prozent je Tonne Produkt bei der energieschluckenden Kunststoff-Herstellung. Agrar- und Pharmasparte wollen der Atmosphäre in absoluten Zahlen insgesamt 15 sowie 5 Prozent Klimagas ersparen. Berechnet wird auf Basis von 2005. Bayer fängt damit nicht von null an. Von 1990 bis 2006 senkte der Konzern den Ausstoß an Treibhaus-Gas schon um 36 Prozent.
  • Genauer Klimacheck. Mit einem neuen Test nehmen Bayer-Experten bis Ende 2009 weltweit 100 Betriebe unter die Lupe: Woher beziehen sie ihre Energie? Ist es die optimale Energieform? Sind die verwendeten Rohstoffe womöglich nicht gut fürs Klima? Der TÜV wird den Test 2008 bewerten. Danach will ihn der Konzern auch anderen Firmen anbieten.
  • Energie-Pflanzen. Eine von Bayer-Forschern entwickelte Raps-Sorte bringt höhere Erträge und dadurch rund 20 Prozent mehr Biodiesel. Das entspricht 190 Liter mehr Biodiesel pro Hektar. Ähnliche Entwicklungen prüft Bayer nun für Bioethanol.
  • Null-Klimagas-Büro. Es deckt seinen Energiebedarf praktisch selbst. Möglich machen es Bayer-Materialien wie Polyurethan-Dämmstoff und durchsichtiges, dämmendes Polycarbonat für Fassaden und Dächer. Die Sonne spendet Strom, Warmwasser und Heizung, hinzu kommt eine spezielle Belüftung. Der erste Bürobau ist übrigens für Indien geplant – und braucht etwa 70 Prozent weniger Strom als dort üblich.
  • Neuer Fuhrpark. Auch bei Dienstwagen und Firmenfahrzeugen will Bayer sparen. Das Ziel: ein Fünftel weniger Klimagas bis 2012. Nicht mal die Firmenflüge bleiben verschont. – Ein Konzern macht Ernst mit dem Klimaschutz.
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Hans Joachim Wolter

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