Biotechnologie

Bayer holt millionenschwere US-Produktion nach Wuppertal

Wuppertal. Was hier passiert, ist einzigartig! Beim Pharmakonzern Bayer in Wuppertal entsteht für über 400 Millionen Euro eine Fabrik für ein biotechnologisch erzeugtes Medikament. Der Gerinnungswirkstoff Faktor VIII ermöglicht Blutern ein normales Leben. Das Verfahren wird nach dem Vorbild des Bayer-Werks in Berkeley (USA) fast eins zu eins nachgestellt.

Der Technologietransfer erfordert einen regen Austausch zwischen den Standorten. Täglich gibt es Telefon- und Video-Konferenzen, Unmengen von Dokumenten, Abertausende Seiten, müssen sauber herübergeholt werden. Gut 60 Mitarbeiter waren bereits zur Schulung in Kalifornien, weitere werden folgen.

Christian Bruckschen gehört zu denen, die sich das spezifische Know-how aneignen. Bereits 2017 soll die Produktion anlaufen, die 360 Stellen schafft. Schon zweimal flog Bruckschen zusammen mit anderen Schichtmeistern für ein halbes Jahr ins Silicon Valley. In der neuen Fabrik soll der Chemikant stellvertretender Schichtleiter in der Fermentation werden: „Dort bin ich für die Aufreinigung der Zellkultur zuständig“, berichtet er.

Wuppertal ist schon immer ein Pharma-Standort gewesen. Warum dann der Aufwand? Bei dem Großprojekt geht es um Biotechnologie: Die Zellkulturen vermehren sich nur unter bestimmten Bedingungen und produzieren den Wirkstoff. „Der muss in einem mehrstufigen, sehr aufwendigen Verfahren aus der Fermentationsbrühe isoliert werden“, erklärt Standortleiter Klaus Jelich.

Weil das Medikament direkt ins Blut geht, gelten extrem hohe Reinheitsanforderungen. „Ich war in Berkeley richtig in die Produktion eingebunden“, erzählt Bruckschen. „Ich habe in allen Schichten mitgemacht und viele Kollegen kennengelernt. Nun kann ich rund um die Uhr durchklingeln, wenn es bei uns ein Problem gibt.“ Der Industriemeister macht sich jetzt mit allen Aspekten der Herstellung vertraut, Qualitätskontrolle im Labor inklusive.

Der Wirkstoff wurde vor 15 Jahren in Wuppertal entwickelt

Für seinen Arbeitsbereich übersetzt er die Betriebsanweisungen aus dem US-Werk. Vor der Schulung in Berkeley war er zum Sprachkurs in Großbritannien: „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt der 35-Jährige. Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Kollegen findet er „eine tolle Sache“.

Interessant: Der Wirkstoff Faktor VIII wurde vor mehr als 15 Jahren in Wuppertal entwickelt. Doch die Herstellung und das Know-how verlagerte man in die USA: Zu groß war die Skepsis gegenüber der medizinischen Biotechnologie in Deutschland. Das hat sich heute geändert.


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