Millionen-Investition

Baxter Oncology baut in Halle seine Produktion für Krebstherapien aus

Halle. Krebs – die Krankheit ist eine Geißel der Menschheit. Einer der größten Hersteller von Medikamenten für die Chemo- und Hormontherapie ist die Betriebsstätte des US-Unternehmens Baxter im westfälischen Halle. Hier entsteht für 56 Millionen Euro eine weitere Produktionshalle – 50 Arbeitsplätze werden damit geschaffen.

Die Arbeitskleidung in der Produktion des Lohnherstellers (518 Mitarbeiter in Halle und Bielefeld) erinnert an einen Astronautenanzug: Aus dem Weiß gucken nur die Augen raus – und selbst die sind geschützt. Bei der Produktion von flüssigen Krebsmedikamenten ist Sterilität höchstes Gebot. Die Medikamente gehen als Infusion direkt ins Blut.

Viele Mittel, die den wuchernden Krebszellen den Garaus machen sollen, können Gesunde schädigen. Deshalb sind Mitarbeiter und Produkte strikt getrennt. „Die Herstellung dieser Medikamente gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Pharmabranche“, sagt Geschäftsführer Burkhard Wichert. Zu den Kunden zählen die größten Pharmafirmen weltweit. In deren Auftrag überführt Baxter Oncology neue Wirkstoffe aus dem Labor- in den industriellen Maßstab. Und fertigt die benötigten Mengen.

100 Stunden bei minus 40 Grad: Gefriergetrocknet bleibt die Arznei viel länger haltbar

Ein besonderes Know-how des Standorts ist die Gefriertrocknung: 100 Stunden bei minus 40 Grad Celsius und im Vakuum entziehen der Arznei die Flüssigkeit und machen sie länger haltbar. Dank einer speziellen Technologie lassen sich bestimmte Zytostatika zudem in kleine Bläschen (Liposome) „verpacken“, damit die Wirkstoffe besser aufgenommen werden. Für die anspruchsvollen Methoden braucht man gute Leute.

„Die Anlagen laufen hochautomatisiert, aber ohne den Menschen geht es nicht“, sagt Pharmakantin Lisa Pasemann. Nachfüllen, kontrollieren, reinigen: Sie übt bereits an einer neuen Abfüllanlage.

Die „richtige“ Produktion, mit der sich die Kapazität am Standort um ein Drittel erhöhen wird, läuft in einigen Monaten an. Bis dahin wird der Betrieb simuliert und immer wieder geprüft. Die junge Frau durfte ihren künftigen Arbeitsbereich mitentwickeln. Zusammen mit Ingenieuren und anderen Facharbeitern überlegte sie: Wie läuft die Produktion ab? Wo gibt es Kontaminierungsrisiken? Wie trennt man verschiedene Reinheitsbereiche optisch voneinander? „Jetzt kenne ich jede Schraube“, versichert sie.

Das Unternehmen stemmt die Erweiterung mit dem eigenen Nachwuchs: „Wir haben die Ausbildungsquote deutlich erhöht“, so Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Sommer. 2015 starten 14 Azubis.


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