Duale Berufsausbildung

BASF gibt jungen Spaniern eine Chance


Ludwigshafen. Silvia Usach Muñoz strahlt übers ganze Gesicht, als sie im Ludwigshafener BASF-Werk aus dem Bus steigt. Die 24-Jährige ist eine von 20 Spaniern, die bei dem Chemie-Konzern eine duale Ausbildung beginnen.

Nach deutschem Vorbild erhalten die jungen Leute Unterricht in der Berufsschule und arbeiten im Unternehmen, am Standort im heimischen Tarragona wie auch in Ludwigshafen.

Im Jahr 2020 ist mehr als die Hälfte der Mitarbeiter über 50

Es handelt sich um ein Pilotprojekt. „Die Mischung aus Theorie und Praxis ist für Spanien neu“, erklärt Ausbildungsleiter Richard Hartmann. Nach drei Jahren erhalten die Katalanen einen Abschluss, vergleichbar mit dem des Chemikanten. Und: Nach der Ausbildung möchte die BASF die Spanier als Facharbeiter einstellen.

„Das ist eine große Chance für uns“, sagt Silvia Muñoz. Sie ist Chemielaborantin, findet in der Heimat aber keine Arbeit. Auch Teilnehmer Marc Mariné Casadó (25) träumt vom Job in Deutschland. Studiert hat er Telekommunikation. Zwei Jahre lang hat er Bewerbungen geschrieben. So wie er wünscht sich David Ral Fernández (24) eine Perspektive: „Freunde von mir sind schon im Ausland.“

In Spanien ist derzeit jeder Fünfte zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job, errechnete das EU-Statistikamt Eurostat. „Bei uns werden die Leute gebraucht“, betont BASF-Personalleiter Wolfgang Hapke. Das Projekt leiste zwar nur einen kleinen Beitrag. „Was zählt, ist hier und jetzt zu helfen“, sagt er. Das Interesse der Spanier aber war groß: In kurzer Zeit gingen 600 Bewerbungen ein.

Der Konzern schlägt damit auch einen neuen Weg ein, um Fachpersonal zu gewinnen. „Wir müssen flexibler sein“, bekräftigt Ausbildungsleiter Hartmann. Denn im Jahr 2020 werde am Ludwighafener Standort mehr als die Hälfte der Mitarbeiter über 50 Jahre alt sein.

Zwar gebe es noch genug Bewerber. Ein Trend bereite aber Sorge: Die Zahl der Schulabgänger sinkt. Gleichzeitig steigt der Anteil derer, die lieber studieren als einen technischen oder handwerklichen Beruf zu erlernen. „Für diese Berufe haben wir immer weniger Bewerber“, so Hartmann.

Mit neuen Auswahlverfahren, Schulungskonzepten und mehr Azubistellen wird darauf reagiert: Kürzlich fingen im Stammwerk 1.000 Jugendliche eine Ausbildung an, 100 mehr als im Jahr zuvor. 250 der Neulinge nehmen zunächst an Programmen wie „Start in den Beruf“ teil. Auch Jugendliche ohne Hauptschulabschluss werden so fit für die Ausbildung gemacht.

Nicht nur die BASF investiert verstärkt in den Nachwuchs. Bundesweit stehen in der Chemie-Branche Lehrstellen in über 50 technischen, naturwissenschaftlichen und kaufmännischen Berufen zur Auswahl. 2012 boten die Betriebe 9.583 Plätze an, 1.000 mehr als noch 2003 und 583 mehr als der gemeinsame Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ vorschreibt.

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