Pilotprojekt

BASF ermöglicht Spaniern eine duale Ausbildung

Ludwigshafen. Mit ein paar Strichen skizziert Felix Ultsch, Fachausbilder bei der BASF in Ludwigshafen, einen Regelkreis an die Tafel. „Wer kann den Messort eintragen?“, fragt er in die Runde. Das Besondere an der Klasse: Die Schüler kommen alle aus Spanien.

Das Fach Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik ist Teil der Ausbildung, die 18 junge Katalanen hier absolvieren. Es handelt sich um ein Pilotprojekt nach deutschem Modell: „Die Mischung aus Theorie und Praxis hat in Deutschland lange Tradition, ist in Spanien aber neu“, erklärt Jürgen Kipper, Ausbildungsleiter Produktionstechnik. Nach drei Jahren winkt ein Abschluss, vergleichbar mit dem des Chemikanten.

Neun Monate waren die Azubis an der Berufsschule in Tarragona, jetzt erproben sie in Ludwigshafen ihr Wissen. Die Tage sind prall gefüllt: Fachkurse, interkulturelle Trainings, Deutsch-Unterricht.

Auch alle Seminare sind auf Deutsch. „Hin und wieder gucken wir in Übersetzungsportalen nach“, gibt Ultsch lächelnd zu. Doch die Schüler lernen schnell, kennen schon Fachbegriffe wie „Durchflussmessgerät“ und „diskontinuierlicher Regler“.

Im Technikum wenden sie das Gelernte an. Ausbilder Uwe Halbgewachs unterstützt sie an den Anlagen: „Hier zeigen wir ihnen, wie man Prozesse steuert.“ Dabei werden alltägliche Situationen simuliert. Silvia Usach Muñoz schaut sich um und staunt. „So groß, so viele Rohre und Ventile. In Tarragona in der Schule haben wir so etwas nicht“, sagt sie.

Die 25-Jährige träumt von einem Job in Deutschland: „Ich will hier bleiben und arbeiten“, sagt sie. „Ich vermisse zwar meine Freunde und Familie, aber hier geht es doch um meine Zukunft.“ In ihrer Heimat, wo sie bereits eine erste Ausbildung zur Chemielaborantin absolviert hat, suchte sie anderthalb Jahre lang nach einer Anstellung – vergebens.

Noch im Mai lag die Arbeitslosenquote dort laut Europäischer Statistikbehörde Eurostat bei rund 25 Prozent. Die 18 Spanier in Ludwigshafen wollen ihre große Chance nutzen. Bald beginnt ihr zweites Lehrjahr. Das besteht zur Hälfte aus Theorie und Praxis, mal in Tarragona, mal in Ludwigshafen. Die letzte Phase verbringen sie in Produktionsbetrieben im Stammwerk, wie dem Steamcracker oder dem Wasserwerk.

Nach der Ausbildung will die BASF die Spanier als Facharbeiter einstellen. „Wir wollen ihnen eine berufliche Perspektive bieten und gleichzeitig unseren Fachkräftebedarf langfristig sichern“, sagt Jürgen Kipper. „Es steht schon fest, in welchen Bereichen sie eingesetzt werden“, fügt er hinzu. Und verrät gleichzeitig: „Wir haben entschieden, auch 2014 wieder Ausbildungsplätze für Spanier anzubieten.“ Die Neuauflage der Aktion startet im Herbst.


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