Verlagerung

Bahn frei, Ticona zieht um


Neuer Standort erlaubt ungehinderten Flugverkehr

Frankfurt. Für 320 Mitarbeiter des Kunststoff-Herstellers Ticona heißt es Abschied nehmen: Nach 47 Jahren verlässt der Chemie-Konzern sein Stammwerk in Frankfurt-Kelsterbach und zieht in den benachbarten Industriepark Höchst. Der Testbetrieb läuft bereits. So macht das Werk Platz für eine neue Landebahn des Airport Frankfurt.

Ursprünglich lag es dreieinhalb Kilometer vom Flughafen entfernt. Durch den Bau der neuen Nordwest-Landebahn rückt die Einflugschneise nun bis auf 400 Meter heran. „Zu gefährlich“, befand die Kommission des BundesumweltMinisteriums. Für die Verlegung des Werks zahlte der Flughafenbetreiber Fraport an Ticona (eine Tochter des US-Chemie-Konzerns Celanese) 670 Millionen Euro.

Neuer Betrieb schafft 40 Prozent mehr

Ticona prüfte 50 Standorte,  das Rennen machte Höchst. Was überzeugte, war die Lage am Main: Der wichtigste Rohstoff, Methanol, kann dort direkt per Schiff anlanden. Und das fertige Produkt, Kunststoff-Pellets, wird via Wasser, Land und Luft wieder abtransportiert.

 

Obwohl das Werk kompakter ist, kann es mehr leisten. Der neue Betrieb soll mit einer Kapazität von 140.000 Tonnen pro Jahr 40 Prozent mehr schaffen als der alte.

Der Übergang erfolgt fließend: Sobald eine Anlage in Höchst anfährt, kann man sie in Kelsterbach abstellen. Was so einfach klingt, erforderte eine hochpräzise Planung. Das größte Bauvorhaben der Chemie-Industrie in Europa verschlang in vier Jahren 43.000 Kubikmeter Beton, 13.000 Tonnen Stahl, 650 Kilometer Kabel, 100 Kilometer Rohrleitungen. Und beschäftigte in Spitzenzeiten 400 Ingenieure und 1.200 Arbeiter auf der Baustelle.

Ende September soll der Betrieb voll anfahren, im August verschwanden schon die Flughindernisse im alten Werk. 2013 wird Kelsterbach endgültig verlassen.


 

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