Ausbildung

Azubis werden zu Krisen-Gewinnern


TRW-Modell: Zweiter Facharbeiterbrief nach zwölf Monaten

Barsinghausen. Kreativ in der Krise: Am Standort Barsinghausen hat sich der Auto-Zulieferer TRW Automotive eine in­teressante Lösung einfallen lassen. Acht ehemalige Auszubildende treten in eine Kurzarbeitsphase von 100 Prozent und nehmen an einer zwölfmonatigen Weiterbildung teil. Der Clou: Nach bestandener Prüfung haben die Teilnehmer einen zweiten Facharbeiterbrief in der Tasche.

Entscheidende Fragen

Einer von ihnen ist Steven Schubert. „Das wird ein hartes Jahr“, sagt der 20-Jährige. „Am Ende aber ist die Chance auf einen Job viel größer.“ Drei Jahre hat er bei TRW Automotive Fertigungsmechaniker gelernt. Sein  Prüfungstermin  fiel  mit­ten in die Krise. Seit dem letzten Quartal  2008  gibt  es  bei  den Herstellern von Motorventilen einen dramatischen Absatzeinbruch. Für 2009 rechnet TRW mit einem Ausstoß von 15 Millionen Ventilen – bei einer Ge­samtkapazität  von  25  Millio­nen Ventilen.

Wie überall in der Branche musste das Unternehmen reagieren. Werkleitung und Be­triebsrat standen vor entscheidenden Fragen: Wie lassen sich die Personalkosten sozialverträglich senken? Wie bilden wir weiter aus, um nach der Krise über genügend Fachkräfte zu verfügen? Nutzen wir die staatlichen Fördermaßnahmen?

„Kurzarbeit ist das richtige Mittel in der Krise“, sagt Werkleiter Michael Bornheim. „Die Ausdehnung auf bis zu 24 Mo­nate nutzen wir voll aus.“ Bei TRW sind sich Werkleitung und Betriebsrat einig: Die bes­ten Chancen im harten Wettbewerb werden diejenigen Betriebe ha­ben, die auch künftig über hoch qualifizierte Fachkräfte verfügen.

Am Ende steht die Facharbeiterprüfung

Anders ausgedrückt: Steven Schubert und seine Kollegen werden dringend benötigt, wenn die Konjunktur wieder an­springt. Statt zu Hause auf den nächsten Aufschwung zu warten, besuchen sie ein eigens auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Weiterbildungsprojekt. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, der IHK und der Berufsschule ist das neue Modell entstanden. Die ehemaligen Auszubildenden – frisch ausgelernte Fertigungsmechaniker – bleiben noch ein Jahr in der TRW-Ausbildungswerkstatt, besuchen die Berufsschule in Hannover. Am Ende gibt es die Facharbeiterprüfung zum Zerspanungsmechaniker.

Das ist auch für Fabian Rettstadt ein reizvolles Ziel. „Ich hatte schon während der Ausbildung große Lust am Drehen und Fräsen“, erzählt er. Seit wenigen Wochen ist er hoch motiviert in der Weiterbildungsphase: „Das wird zwar ein strammes Programm, doch es ist durchaus zu schaffen.“

Das sehen auch die beiden Ausbilder Bernhard Meier und Sascha Wenske so. Sie vertrauen ihren Auszubildenden. „Die Ergebnisse können sich sehen lassen“, sagt Wenske. „Dieses Modell ist gerade jetzt in der Krise genau richtig.“

Werner Fricke

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