Wettbewerb deltaE

Azubis jagen Energieräuber in der Raffinerie MiRO in Karlsruhe

Karlsruhe. Sie liefen stundenlang durchs Werk, spürten heiße Rohre und unzureichend gedämmte Stellen mithilfe einer Wärmebild-Kamera auf. Und stellten die Missstände ab: fünf Azubis der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe, Baden-Württemberg. Für ihren Einsatz wurden sie jetzt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann geehrt.

Anlass war der Energieeffizienz-Wettbewerb „deltaE“ der Chemie-Verbände Baden-Württemberg. Firmennachwuchs aus dem ganzen Land hatte den eigenen Betrieb unter die Lupe genommen: Wo lässt sich Energie sparen? „Sie sind Vorbilder und liefern Inspiration für die Arbeitsprozesse in ihren Betrieben“, lobte Kretschmann.

Die Anerkennung ging an Gabriel Becker (18), Industriemechaniker-Azubi im zweiten Lehrjahr bei MiRO, und die angehenden Chemikanten Björn Zörner (23), Martin Timler (24), Christian Marx (19) und Max Schmitt (18).

„Zuerst dachten wir, die meiste Energie schluckt das Licht“, sagt Gabriel, denn die Raffinerie ist Tag und Nacht hell beleuchtet. Doch die Azubis stellten fest: „Licht ist eine der günstigsten Positionen.“

Anders sah es bei der Wärme aus: „Da wird’s richtig teuer“, so der 18-Jährige. Die fünf „Energie-Scouts“ überlegten sich, wie man weniger gut gedämmte Stellen im Werk ausfindig machen kann, liehen sich eine Wärmebild-Kamera und zogen los – über das riesige Gelände der „Destillation III“, einem Gewirr aus Rohren, Öfen und Kompressoren. „Die Jungs sind viele Kilometer marschiert“, meint Ausbilder Nico Flick, „ein hartes Stück Arbeit.“

Und sie hatten eine Spur: „Wir fanden Rohre, die waren tierisch heiß und hatten keinerlei Isolierung“, berichtet Christian. Doch dann erfuhren sie: Das ist gewollt! Das Produkt soll in den Rohren abkühlen.

Also weitersuchen. In luftiger Höhe außen am Ofen entdeckte das Team dann eine echte thermische Schwachstelle: „Hier verlaufen Rohre, die 360 Grad Celsius abstrahlen“, berichtet Björn. Die hohe Temperatur wird jedoch im nächsten Produktionsschritt wieder benötigt. Ohne Isolation verpufft viel von der Hitze im Freien. Björn: „Hier wurde nachgebessert.“ Stolz misst er den neuen Wert am Rohr: nur noch 80 Grad Celsius.

Fazit der Aktion: rund 5.000 Euro Energie-Ersparnis pro Jahr und weniger Treibhausgase. Die Jugendlichen sind jetzt fit in Sachen Energieeffizienz: „Mein Vater hat mich gebeten, mal durch seinen Betrieb zu gehen“, erzählt Max, der aus einer Großschreinerei kommt. „Ich habe ihm Energiespar-Neonröhren empfohlen und einen Zeitschalter am Boiler, damit der nicht Tag und Nacht heizt.“


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