Azubis für mehr Sicherheit


Ungewöhnliche Projekte erhöhen die Aufmerksamkeit der Kollegen

Worms. Stefan Kloster räuspert sich. „Würden Sie bitte an Ihren Helm denken?“, sagt der 23-Jährige höflich zu einem Kollegen. Der inspiziert gerade eine Kühlschlange. Er nickt und setzt seinen Kopfschutz auf.

Das Besondere daran? Der Mann, der hier mahnend spricht, ist Auszubildender. Und der an der Kühlschlange, Andreas Reyl, arbeitet schon seit 24 Jahren im Betrieb.

Frischer Blick

Zum Glück ist das Unwissen nur gespielt. Beim Thema Sicherheit steht der Respekt vor den alten Hasen notfalls hintenan – das lernt Kloster, einer von 30 Sicherheitsvertrauensleuten bei Evonik Röhm in Worms. Das sind alles Azubis. Ihre Aufgabe: ein Auge auf das Verhalten ihrer Kollegen haben. „Ganz gleich, wie alt diese sind oder wie lange sie schon bei uns arbeiten“, betont Ausbilder Wolfgang Schmitt.

Für dieses ungewöhnliche Sicherheitsprojekt wurde das Unternehmen jetzt von den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Seit 2002 ernennt Evonik Röhm in Worms (und seit 2006 auch in Darmstadt) aus jedem Lehrjahr und jeder Fachrichtung ein bis zwei Kandidaten zu Sicherheitsexperten. Es sind angehende Chemiker, Elektrotechniker und Mechaniker. Sie besuchen Sicherheitsseminare und monatliche Zirkel mit den regulären Sicherheitsbeauftragten – freiwillig, außerhalb der Arbeitszeit.

Weisungsbefugnisse haben sie nicht. „Es geht nicht darum, Aufpasser zu spielen“, so der Ausbilder. Sondern darum, schon früh Verantwortung zu übernehmen.

Der entscheidende Gedanke lautet: Die jungen Leute haben ein „unverbrauchtes Auge“. Sie vereinfachen Prozesse und räumen Hindernisse aus dem Weg.

Im ersten Lehrjahr achten die Sicherheitsvertrauensleute in der Werkstatt darauf, dass alle die Vorschriften einhalten. Trägt jeder Handschuhe und Schutzbrille? Ab dem zweiten Jahr geht es ins Werk. Nun sollen sie auch älteren Kollegen im Ernstfall Ratschläge geben.

Das ist keine leichte Aufgabe. Ein Psychologie-Seminar vermittelt deshalb Grundregeln. Eine davon benennt der Auszubildende Dirk Lebkücher: „Die Formulierung ,Sie müssen’ ist ein rotes Tuch!“

Schrilles Neongelb

Mit den „Neuen“ laufen sie die Rettungswege ab, zeigen Gefahren auf. „Dabei lassen wir uns Spektakuläres einfallen“, erzählt Azubi Jan von de Graaf. Zum Beispiel werfen sie eine Karotte in eine laufende Maschine, die daraus im Nu Kleingemüse macht. „Da wird dir klar, was für eine Kraft die Maschine hat!“

Ebenfalls ausgezeichnet wur-de das Spezialchemie-Unternehmen BK Giulini. Dort säumen derzeit am Standort Ludwigshafen zwei Meter hohe Spiegel den Weg zur Kantine. „An denen kommen alle Mitarbeiter vorbei“, erklärt Sicherheitsbeauftragter Bernd Koch. Jeder Blick auf die reflektierende Fläche soll daran erinnern, wie wichtig das Augenlicht ist. Koch: „Wir müssen es schützen!“ Etwa mit Schutzbrillen!

Sicherheit hat bei BK Giulini zudem eine Farbe: schrilles Neongelb. Es gibt Informationsstände, Unterweisungen oder Geschenke wie T-Shirts. „Das Gelb fällt auf und erinnert auch im Alltag daran, wie wichtig Sicherheit ist“, erläutert der Experte.

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