Globalisierung

Azubis auf Achse


Beim Anlagenbauer Dieffenbacher gehören Baustellen- und Auslandseinsätze dazu

Eppingen. Nico Faber ist ein angehender Energie-Elektroniker. Er lernt beim Anlagenbauer Dieffenbacher in Eppingen bei Heilbronn. Aber seine Ausbildung spielt sich nicht nur dort ab: Er ist schon in Polen gewesen, in Tschechien und auf einigen Baustellen in Deutschland.

Denn Dieffenbacher liefert weltweit. Das Angebot: Pressen für die Fertigung von Holzwerkstoffplatten, für die Kunststoff-Umformung und für den Hochdruckbereich. Und je nach Größe der Anlage fallen bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme umfangreiche Montagearbeiten beim Kunden vor Ort an.

„Zeigen, was ich draufhabe“

Für den Auszubildenden Faber sind die Außen-Einsätze spannend: „Das ist ein selbstständigeres Arbeiten als im Betrieb“, sagt er. „Ich kann dabei viel lernen und zeigen, was ich draufhabe.“ Bei Dieffenbacher sind Einsätze bei Tochterfirmen im Ausland und auf Baustellen jetzt fester Bestandteil des dritten Lehrjahres.

Zu mehr als 70 Prozent erzielt die Unternehmensgruppe ihren Umsatz (von zuletzt rund 330 Millionen Euro) im Ausland. Firmenchef Wolf-Gerd Dieffenbacher berichtet: „Die europäischen Märkte sind gesättigt.“ Die Zukunft liege in Asien, vor allem in China und Indien.

Die wachsende Internationalität stellt auch die Belegschaft vor neue Aufgaben. „Unsere Mitarbeiter müssen flexibler, mobiler und sprachgewandter werden“, fasst Personalleiter Ralph Weber die Anforderungen zusammen. Sprachen werden gefördert, insbesondere fremde Muttersprachen.

Auch beim Nachwuchs: Azubis wie Luca Liardo sind sehr gefragt. Der Industriemechaniker im zweiten Lehrjahr spricht italienisch, deutsch und englisch. Liardo zieht es in die Ferne. Er möchte nach China, Australien oder Kanada.

Zahl der Lehrstellen erhöht

Wegen des Facharbeitermangels hat Dieffenbacher die Zahl neuer Lehrstellen von 10 auf 15 pro Jahr erhöht. Rund 10 Prozent der 600 Mitarbeiter am Stammsitz sind Auszubildende. „Um den Nachwuchs zu halten, zeigen wir Perspektiven auf“, so Personalchef Weber. Durch regelmäßige Orientierungshilfen etwa finden die jungen Leute heraus, wo sie am besten hinpassen und sich wohlfühlen.

Wer sich noch weiter qualifizieren will, kann bei entsprechender Leistung auf finanzielle Unterstützung für den Besuch der Techniker- oder Fachhochschule hoffen.

Der angehende Industriemechaniker Sascha Könecke war schon im ersten Lehrjahr auf einer Baustelle. Dafür ist er gern um vier Uhr aufgestanden. „Es war toll, eine komplette Anlage zu sehen“, schwärmt er. „Das geht im Betrieb nicht.“ Den nächsten Einsatz draußen kann er kaum erwarten.


Übrigens ...

Hier sparen die wenigsten Firmen

Viele Unternehmen stehen unter Sparzwang. Aber nur wenige sparen an der Ausbildung: Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern halten bundesweit 60 Prozent der Betriebe in diesem Jahr ihr Ausbildungsangebot aufrecht. 15 Prozent haben sogar angekündigt, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.

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