Die Kurve gekriegt

Azubi schafft Spitzenabschluss – und spart seiner Firma eine Menge Geld

Hanau. Da freut sich auch der Chef: Michael Horst, Inhaber der mittelständischen Gebr. Horst Gummiwarenfabrik im hessischen Gelnhausen, weiß genau, was Janis Blechert geleistet hat. Der Bürokaufmann ist einer von 63 jungen Leuten im IHK-Bezirk Hanau, die 2015 ihre Ausbildung mit der Note Eins abgeschlossen haben.

„Allein das ist schon eine Spitzenleistung“, freut sich Firmenchef Horst, dessen Unternehmen technische Gummi- und Kunststoffteile wie Schlauchringe, Dichtungen oder Formteile für die Automobil-Industrie, den Anlagenbau oder die Elektro- und Hausgerätebranche fertigt. Aber es kommt noch besser: Im vergangenen Jahr hat Blechert ein Programm geschrieben, dass der Firma einen fünfstelligen Euro-Betrag und jede Menge Arbeitszeit spart.

„Rechnungen und Gutschriften für unsere Produkte müssen verglichen werden“, sagt Blechert. Eine wichtige, aber zeitraubende Angelegenheit. Er modifizierte eine kostenlose Software so, dass sie die Dokumente in eine Datenbank einliest und abgleicht.

Vor einigen Jahren schienen solche Erfolge für den heute 29-Jährigen undenkbar. Nach dem guten Abitur hatten ihn psychische Probleme belastet. Blechert: „Mein Selbstbewusstsein war am Boden.“

Mit dem Beginn der Kaufmannslehre bei der Gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) im Main-Kinzig-Kreis änderte sich das. „Zum einen interessiere ich mich sehr für die Materie, das Verstehen der Zusammenhänge fällt mir leicht“, erklärt Blechert. Zum anderen bekam er sehr viel Unterstützung: von den Ausbildern der AQA, dem neuen persönlichen Umfeld, von „seiner“ Sozialpädagogin Christine Jacobs.

Kollegen nahmen Janis Blechert wie eine Familie auf

Vor anderthalb Jahren stellte dann die Gummiwarenfabrik Horst einen Platz für die zweite Hälfte der Ausbildung zur Verfügung. „Praktisches Arbeiten liegt mir mehr als Theorie“, sagt Blechert. Die Kollegen nahmen ihn auf „wie in eine Familie“.

Janis Blechert nimmt nun den nächsten Anlauf: Seit einigen Monaten geht er auf der Kaufmännischen Schule in Hanau nach der Arbeit und am Wochenende den Abschluss als Betriebswirt/Controller an.

Eine Herausforderung, auch wenn es dafür gilt, die „Familie“ zu verlassen. „Ich kann mich nicht immer auf der Wohlfühl-Insel verstecken, wenn ich noch mehr erreichen will“, weiß Blechert. Noch bleibt etwas Zeit. Bis zum Jahresende vertritt er in der Firma eine erkrankte Kollegin im Vertrieb.

Firmenchef Horst ist sich sicher: „Herr Blechert wird seinen Weg machen.“


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