Roboter bringen neuen Schwung

Autozulieferer PWS investiert in Hightech – und in den Nachwuchs

Neunkirchen. Ein langer blauer Stahlarm greift nach einem heißen Metallstück, dreht sich und legt es zu den anderen zum Abkühlen. Gleich drei Roboter hantieren mit atemberaubendem Tempo in der nagelneuen Anlage, schweißen Bauteile für Abgassysteme zusammen. „1.800 Stück am Tag. Das schafft kein Mensch in der Geschwindigkeit und Präzision“, sagt Daniel Jud.

Er ist der Chef hier, genauer: Geschäftsführer der PWS-Gruppe. Die drei Buchstaben stehen für Presswerk Struthütten. Die Firma hat 180 Mitarbeiter, setzt im Jahr 35 Millionen Euro um und ist Spezialist für die Edelstahl-Umformung. Der produziert Baugruppen für die Abgassysteme von Pkws und Nutzfahrzeugen – wie Zusatztanks, Krümmer und Auspuffrohre.

Die Produkte finden sich in fast allen Premium-Autos – von Audi bis Bentley

Die mit PWS-Baugruppen ausgerüsteten Systeme reinigen die Abgase von Dieselmotoren. Seit September vergangenen Jahres müssen alle neu zugelassenen Diesel die gesetzlich vorgeschriebene Euro-6-Norm erfüllen und dürfen nur noch 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen. Die PWS-Produkte für Abgas- und Turboladersysteme finden sich in fast allen Premium-Autos: von Audi bis Bentley.

Firmenlenker Jud war schon als kleines Kind von Autos begeistert und flitzte mit dem Bobbycar über das Werkgelände des Familienunternehmens in Neunkirchen. Im letzten Jahr ist er, erst 29 Jahre alt, in die Geschäftsführung eingestiegen. „Ich hätte gern noch ein paar Jahre im Schatten meines alten Herrn gestanden“, sagt er. Aber der Vater starb unerwartet. Nun teilen sich Mutter und Sohn die Aufgaben: Sie ist für Personal und Finanzen zuständig, er für Produktion und Vertrieb.

Die beiden haben große Pläne. Bald nimmt das Unternehmen eine weitere Hightech-Anlage in Betrieb. Sie wird eine alte Presse ersetzen. Die 4 Millionen Euro teure Investition ist die größte in der Firmengeschichte. „Wir haben hier volle Auslastung und langfristige Verträge über das Jahr 2020 hinaus“, so Daniel Jud.

Das Unternehmen hat zehn Auszubildende, und Jud will für die Grundausbildung der Metaller jetzt sogar eine eigene kleine Lehrwerkstatt einrichten: „Damit die Jungs nicht so weit mit dem Bus fahren müssen und sich noch mehr mit der Firma identifizieren.“

Fachkräftemangel sei für den Betrieb kein Thema. Es habe sich in den Schulen der Region herumgesprochen, dass nach einem Praktikum bei PWS die Chancen gut sind, dort eine Ausbildung zu machen und übernommen zu werden. „Von meinen Freunden wusste ich, das ist eine gute Firma“, erzählt Johannes Stolz, der kürzlich seine Lehre als Werkzeugmechaniker abgeschlossen hat.

Ein typisches Eigengewächs ist Mario Eisbach. Sabine Jud hat es noch vor Augen, wie der heutige Vertriebsleiter und Prokurist als 14-jähriger Praktikant ins Werk kam. Nach der Lehre hat die Firma ihn unterstützt, den Techniker- und den Betriebswirt-Abschluss zu machen. Sabine Jud: „Solche Leute haben den richtigen Durchblick.“


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