Schwergewichte für den Leichtbau

Auto-Zulieferer: KSM Castings setzt Maßstäbe mit neuer Hightech-Produktion

Qualitätskontrolle: Marek Komainda überprüft die bearbeiteten Bauteile. Foto: Heidrich

Hildesheim. Alle paar Augenblicke greift er sich zwei Automatik-Getriebegehäuse aus Magnesium, neun Gänge, für Fahrzeuge von Daimler. Der orangefarbene Industrie-Roboter hält sie unerbittlich fest, schwenkt um 90 Grad – und legt die Bauteile in die Bearbeitungsmaschine ein. Die je nach Arbeitsschritt vollautomatisch tut, was zu tun ist: Gewinde hineinfräsen, Löcher bohren.

Gleich sechs solcher Bearbeitungsanlagen stehen in der neuen Produktionshalle von KSM Castings Group im Stammwerk Hildesheim. 13 Millionen Euro hat der Autozulieferer in Bau und Ausrüstung investiert. Die Magnesium-Gehäuse sind noch einmal rund 30 Prozent leichter als vergleichbare Produkte aus Aluminium. Im Auto sorgen sie damit für sparsameren Verbrauch – für die Branche ein wichtiger Trend.

Das Bearbeiten von Magnesium gilt als besonders anspruchsvoll: Späne können leicht entzündlich sein. „Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt“, erklärt Geschäftsführer Franz Friedrich Butz. Auch ansonsten ist die Fertigung nicht ohne. Die Maschinen müssen auf zwei hundertstel Millimeter genau arbeiten. Zudem ist es für ölführende Bauteile eine wesentliche Qualitätsanforderung, dass sie druckdicht und frei von noch so winzigen Partikeln sind.

„Wir sind die einzige Gießerei weltweit“, bilanziert Butz, „die Getriebegehäuse aus Magnesium nicht nur produziert, sondern auch fertig bearbeitet an den Kunden ausliefern kann.“

Eine vollautomatische Anlage – und trotzdem 30 neue Arbeitsplätze

Es ist Teil eines Strukturwandels, den KSM an allen Standorten vollzieht: Binnen drei Jahren soll der Anteil von mechanisch bearbeiteten Bauteilen von heute über 70 auf 90 Prozent wachsen. „Dadurch erhöhen wir die Wertschöpfung unserer Produkte“, so Butz.

In der neuen Halle entsteht alle 50 Sekunden ein fertiges Getriebegehäuse. 340.000 Stück gehen jedes Jahr an den Kunden. 30 zusätzliche Mitarbeiter hat KSM für den Daimler-Auftrag eingestellt. Sie sorgen für reibungslosen Betrieb, bestücken Förderbänder, kontrollieren den Ablauf. Auch am Ende treten sie in Aktion – sie sichten Gehäuse, tasten Flächen ab, verpacken alles transportfähig.

Mit der Hightech-Produktionshalle geht KSM einen Schritt in Richtung Industrie 4.0. „Hier liegt die Infrastruktur dafür vor“, so Butz. Es gehe auch um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. „Unser Unternehmen soll Ideenschmiede bleiben. Hier haben wir das langjährige Know-how für Projekte dieser Größe.“

Gut drei Viertel der insgesamt knapp 1.100 Mitarbeiter in Hildesheim sind Facharbeiter und Ingenieure. Fluktuation gibt es bei KSM kaum, der Geschäftsführer ist froh darüber: „Mit der langjährigen Erfahrung unserer Mitarbeiter sind wir Impulsgeber für unsere internationalen Standorte.“ Insgesamt hat KSM Castings in Deutschland, Tschechien, USA und China 3.400 Mitarbeiter.


50 Auszubildende allein im Stammwerk

Auf Umwegen zum Traumberuf: Mariya Schmidt an der Fräsmaschine. Foto: Heidrich
Auf Umwegen zum Traumberuf: Mariya Schmidt an der Fräsmaschine. Foto: Heidrich

Sie ist eine von über 50 Azubis am Standort Hildesheim: Mariya Schmidt (31), geboren in Kasachstan. „Meine Eltern wollten, dass ich einen Frauenberuf erlerne“, erinnert sie sich – während sie an einer Fräsmaschine Kunststoff bearbeitet. Statt wie ursprünglich geplant Zahnarzthelferin lernt sie jetzt technische Modellbauerin. „Präzises handwerkliches Arbeiten ist genau das, was ich machen will.“

Und noch etwas sei ihr wichtig: eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als junge Mutter stoße sie bei ihrem Arbeitgeber auf viel Verständnis, wenn ihr Kind einmal krank ist.

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