Mechatroniker-Azubi schlägt Bank-Lehrling

Auszubildende der Metall- und Elektro-Industrie: Gutes Geld, gute Chancen

Berlin/Bonn. Sie ist innovativ, exportstark, bezahlt gut – und engagiert sich mächtig in Sachen Ausbildung: die deutsche Metall- und Elektro-Industrie (M + E). Ende Dezember 2014 zählte die Branche fast 210.000 Azubis – Rekord!

Es könnten sogar noch mehr sein. Im Vorjahr wurden in den M+E-Berufen bundesweit 70.200 neue Ausbildungsverträge unterschrieben, doch jede zehnte angebotene Stelle blieb frei. „Alles in allem konnten 7.000 Plätze nicht besetzt werden“, sagt Sven-Uwe Räß, Abteilungsleiter Berufsbildung beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin. „Für dieses Jahr rechnen wir mit ganz ähnlichen Zahlen – leider auch, was die unbesetzten Lehrstellen betrifft.“ Mit anderen Worten: Manche Betriebe finden nicht genug angehende Fachkräfte.

Hauptgrund für diese Entwicklung ist laut Räß die sinkende Zahl der Schulabgänger. Zudem gehen immer mehr junge Leute an die Uni, was die Lage noch verschärft.

Mechatroniker-Azubi schlägt Bank-Lehrling

An der Bezahlung dürfte es nicht liegen, wenn bei M+E-Betrieben Lehrstellen frei bleiben: Die Azubi-Gehälter in Deutschlands bedeutendstem Industriezweig (3,8 Millionen Beschäftigte) liegen weit oben, wie die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn zeigen.

Über alle Branchen und Lehrjahre gerechnet verdienen Auszubildende in Westdeutschland im Schnitt 802 Euro brutto pro Monat. Die Jugendlichen, die einen M+E-Beruf erlernen, schneiden deutlich besser ab: So kommt ein angehender Zerspanungsmechaniker auf 973 Euro und ein Mechatroniker-Azubi auf 964 Euro – ein Bankkaufmann liegt bei 948 Euro. Nur Lehrlinge in Bauberufen wie Maurer verdienen noch besser.

Dennoch – und trotz aller Bemühungen um mehr weibliche Azubis in den Betrieben – machen junge Frauen nach wie vor einen großen Bogen um technische Berufe. Sie wollen vor allem Kauffrau, Verkäuferin, Arzthelferin oder Friseurin werden. Das weist das Bundesinstitut aus. Erst an 47. Stelle der Liste für 2014 liegt ein M+E-Beruf: die Industriemechanikerin.

Vielfältige Branche mit mehr als 24.000 Firmen

Bei den Männern dagegen ist nach wie vor der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers am beliebtesten. Auf Platz zwei rangiert der Industriemechaniker, auf Rang vier der Elektroniker.

Um mehr Jugendliche zu erreichen und die Azubi-Lücke zu stopfen, investiert die M+E-Industrie weiterhin massiv in die Nachwuchswerbung. Zum Beispiel mit Portalen wie ichhabpower.de und mit den M+E-InfoTrucks. Das sind Riesenlaster mit Hightech-Innenleben. Sie sollen Schüler neugierig auf die Vielfalt der Branche machen. Ob Autofabrik oder Flugzeugwerk, Gießerei oder Leuchtenproduzent, Maschinenbauer oder Schraubenhersteller: Zu M+E zählen mehr als 24.000 ganz unterschiedliche Betriebe.

„Unsere Unternehmen bieten dem Nachwuchs hervorragende Aufstiegschancen“, unterstreicht Räß. Alljährlich würden die Firmen insgesamt rund 8 Milliarden Euro in die Aus- und Weiterbildung stecken.

Und dass es jungen Leuten oft nicht nur auf Geld und Karriere ankommt – auch das ist in den Betrieben angekommen. Auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie würde zunehmend geachtet, so Räß: „Das ist ein wichtiges Argument im Wettbewerb um die jungen Köpfe.“


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