Hoffen auf den Berufseinstieg

Ausbildung: Trotz des Fachkräftemangels gehen immer noch Tausende Jugendliche leer aus


Nürnberg. Viele Jugendliche wissen jetzt, wie es nach der Schule weitergeht: Sie haben eine Lehrstelle gefunden. Es gibt aber Hunderttausende, die trotz des Fachkräftemangels nicht so recht zum Zug kommen – und im sogenannten Übergangssystem ein berufsvorbereitendes Programm absolvieren.

Es sind 267.000, ein Viertel weniger als 2009. „Grund für den Rückgang ist vor allem die sinkende Zahl der Schülerzahlen“, sagt Hannelore Plicht vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Zwar hat sich die Lage zuletzt stark verbessert: Zum Ausbildungsstart registrieren die Arbeitsagenturen alljährlich mehr unbesetzte Plätze als „unversorgte Bewerber“. Doch da zählen all die im Übergangssystem nicht mit.

„Die Gründe dafür, dass trotz besserer Bedingungen des Ausbildungsstellenmarktes immer noch viele Jugendliche keine Lehre bekommen, sind vielfältig“, sagt Plicht:

• Fehlender Schulabschluss: Den setzen die meisten Betriebe voraus – doch 6 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss.

• Defizite in Rechnen und Lesen: „Man fragt sich, wie das eigentlich sein kann – aber viele Jugendliche können selbst nach einem Schulabschluss nicht richtig rechnen, lesen oder schreiben und sind dadurch nicht in der Lage, die Mindestvoraussetzungen für eine Lehre zu erfüllen“, so Plicht.

• Mangelndes Sozialverhalten: „Betriebe können mit Jugendlichen wenig anfangen, die unzuverlässig sind oder schlechte Manieren haben. Das wird viel zu selten thematisiert.“

• Kein passendes Angebot: Nicht wenige Jugendliche rutschen wegen des sogenannten Mismatch in Übergangsangebote: „Da passen Angebot und Nachfrage einfach nicht zusammen – regional, hinsichtlich der Anforderungen oder auch beruflich. Und manche Lehrstellen sind ja auch nicht wirklich attraktiv.“ Um am Ende trotzdem die Lehrstelle vor Ort oder im Wunschberuf zu ergattern, entscheidet man sich zum Beispiel bewusst für ein Vorbereitungsjahr mit Praktika.

In ihren Forschungen hat Plicht herausgefunden: „Betriebspraktika sind unschlagbar gegenüber anderen Maßnahmen.“ Die Wirtschaft sei da „sehr engagiert“. Aber sie merkt an: „Es gibt ein unübersichtliches Angebot an Programmen von Bund, Ländern und Kommunen – und diese sind weder aufeinander noch auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt.“ So sei es wenig aussichtsreich, einen Schulabbrecher als erstes in eine schulische Berufsvorbereitungsmaßnahme zu stecken.

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