Berufswahl

Ausbildung statt Studium


Herborn. Weiter zur Schule gehen oder lieber eine Ausbildung beginnen? Daniel Kirr erinnert sich gut an den Zwiespalt, in dem er nach seinem Hauptschulabschluss im Jahr 2001 steckte. „In diesem Alter ist man einfach unsicher“, sagt der 27-Jährige. Ein höherer Schulabschluss lockte ihn ebenso wie das erste selbst verdiente Geld.

Um sich alle Möglichkeiten offenzuhalten, bewarb er sich damals bei einer Reihe von Firmen. Als er den fünften Brief gerade abgeschickt hatte, kam die Zusage von der Herborner Pumpenfabrik für eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Das Familienunternehmen (rund 150 Mitarbeiter) ist Weltmarktführer für die Abwassertechnik auf Schiffen und Spezialist für Pumpentechnik im Abwasser- und Schwimmbadbereich.

„Ein Berufsabschluss ist eine echte Existenzgrundlage!“

Die Chance, nach der Schule was Neues zu machen, war verlockend. Also unterschrieb Kirr den angebotenen Vertrag. Nach der Ausbildung im Jahr 2005 wurde er fest übernommen. „Aus heutiger Sicht war das genau richtig für mich, denn der Beruf macht Spaß und gute Industriemechaniker sind gesucht“, sagt er. Zumal die Herborner Pumpen hauptsächlich von Industriemechanikern gebaut werden. Ausbildungsleiter Benjamin Weyerich: „Fünf unserer derzeit 17 Auszubildenden lernen hier den für uns wichtigsten Ausbildungsberuf.“

Diesen Weg hatte auch Weyerich nach der Realschule genommen. Anschließend machte der heute 31-Jährige noch den Ausbilderschein und absolvierte mit Unterstützung seines Arbeitgebers an einer Abendschule erfolgreich den Meisterkurs. „Nach dem Abschluss und guter Leistung im Beruf stehen einem einfach viele Wege offen“, so Weyerich.

„Ein Berufsabschluss ist eine echte Existenzgrundlage, ein abgebrochenes Studium dagegen nicht“, betont Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Hessenmetall. Der Trend zur Höherqualifizierung sei zu begrüßen, er dürfe aber nicht zur Verschulung und zum Verzicht auf betriebliche Praxis in der Ausbildung junger Menschen führen.

Fasbender: „Da immer mehr Jugendliche das Abitur anstreben und ein Studium aufnehmen, gehen der Wirtschaft diejenigen verloren, die früher die anspruchsvollen Ausbildungsberufe besetzt haben.“ Der Trend zum Studium werde aber mit Abbrecher-Quoten zwischen 30 und 50 Prozent erkauft. Der Hauptgeschäftsführer: „Deshalb müssen wir den dualen Weg stärken und die dualen Studiengänge, die Kombination von Ausbildung und Studium, weiter ausbauen.“

Übrigens: Auf der Internet-Plattform ichhabpower.de werden aktuell rund 750 freie Ausbildungsplätze von Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie sowie 175 Plätze für ein duales Studium angeboten – zu besetzen zwischen Juli und September 2014.

Kommentar

Foto: Verband
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Leichter an die Hochschule

Von Charlotte Venema, Leiterin Personalpolitik und berufliche Bildung des Arbeitgeberverbands HESSENMetall

Wir müssen die dreijährige duale Ausbildung zum gleichwertigen Weg an die Hochschule machen. Er darf nicht länger oder komplizierter sein als rein schulische Wege. Politik und Hochschulen sind hier gefordert. Damit ein Auszubildender heute an die Hochschule kommt, braucht er neben der Ausbildung drei Jahre Berufstätigkeit plus Aufnahmeprüfung.

Bereits jetzt gibt es einen Fachkräftemangel in den „MINT“-Berufen, die Kenntnisse in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik voraussetzen. Er wird sich weiter verschärfen. Die Lücke von MINT-Akademikern ist beherrschbar – durch späteren Renteneintritt, stärkere Aktivierung von Frauen und mehr Zuwanderung.

Die Lücke von bundesweit 1,4 Millionen Fachkräften kann auf diesem Weg aber nicht geschlossen werden. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Jugendlichen den Wert und die Entwicklungsmöglichkeiten der dualen Ausbildung ernsthaft in Erwägung ziehen, gegen ein Studium abwägen und sich dort die Chance auf ein späteres Studium offenhalten können.

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