Bildung

Aus Freude am Lernen


Ein Jahr bei BMW: Ludwig Pfeiffer war „Lehrer in der Wirtschaft“

Oberviechtach. Dieser Mann packt gern an. Schnellen Schrittes läuft er über den Gang, zieht die Tür zur Klasse 10c auf – und klatscht in die Hände: Ludwig Pfeiffer (48) ist einer, der Autorität

mitbringt, wenn er vor seine Schüler tritt.

Und der für sie exklusives Wissen bereithält: Er hat im Schuljahr 2006/07 in der Personalabteilung des BMW-Werks Dingolfing gearbeitet. Was er dort über Abläufe in einem Betrieb gelernt hat, gibt er nun weiter, am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach in der Oberpfalz.

Die Firma zahlte das Gehalt

Pfeiffer ist einer von 60 „Lehrern in der Wirtschaft“. Dieses bundesweit einmalige Projekt der Arbeitgeberverbände BayME und VBM sowie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ist eine Kooperation mit dem Bayerischen Kultusministerium. Angeboten wird es seit 2001 vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft.

Wer vom Pult ins Werk wechseln will, wie es am 1. September wieder fünf weitere Pädagogen erlebt haben, der muss einige Bewerbungsgespräche führen. Die Firmen, darunter Bosch und Siemens, suchen sich ihren Mitarbeiter genau aus. Schließlich zahlen sie ein Jahr lang sein Gehalt. Das Kultusministerium beurlaubt den Lehrer.

Pfeiffers Gehalt hat BMW Dingolfing gezahlt. Besonders gefallen hat ihm dort die klare Vorgabe von Zielen. „Da halten sich alle in Besprechungen an Zeit- und Kostenpläne.“ Allerdings sei der Druck größer gewesen als in seinem normalen Job. „Wir können mit den Schülern freier arbeiten.“

Der Pädagoge für Wirtschafts- und Rechtslehre und Sport hat bei BMW Workshops für Monteure organisiert und moderiert. Die Teilnehmer sollten zeitweise in anderen Werken arbeiten, wo es mehr zu tun gab.

Gegen Vorurteile – in beiden Richtungen

In der Ausbildungsabteilung hat Pfeiffer einen Fragebogen mitentwickelt, der die sozialen Kompetenzen von Lehrlingen stärker in ihre Abschlussnote einbezieht. „Auf Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit legen wir schon in der Schule Wert. Da ist es gut, wenn das hier weitergeht.“

Und was blieb hängen? Er habe jetzt die Anforderungen von Betrieben besser im Blick, sagt er. Und es seien Vorurteile abgebaut worden – in beiden Richtungen: „Ich war im Blaumann in der Türmontage am Band und habe bewiesen, dass Lehrer nicht nur in der Theorie gut sind.“

Als Oberstufenbetreuer wollte Pfeiffer damit auch die Bereitschaft vorleben, sich zu verändern. Sein Direktor Günter Jehl zollt Respekt: „Die Seiten zu wechseln, das wagt nicht jeder.“ Im Fach Rechtslehre nennt Pfeiffer jetzt gern BMW als Beispiel, um Gesetze zu erläutern. Etwa wenn Firmen einen neuen Standort suchen.

Mehr Berufsalltag gibt es ab 15. September an allen Gymnasien Bayerns: Im „Projekt-Seminar“ sollen Schüler praxisnah lernen, auch in Kooperation mit Firmen.

Pfeiffer will dabei ein Veranstaltungsmarketing für die neue Sporthalle des Gymnasiums anregen. Eines aber freut ihn besonders: Achtklässlern an seiner Schule steht neuerdings ein Wirtschaftszweig offen. 

Eva Schröder

www.bildunginbayern.de

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe mit 16 Jahren in der Ski-Schule meiner Eltern meinen ersten Kurs geleitet. Seitdem bringe ich Kindern gern etwas bei.

Was gefällt Ihnen besonders?

In der Schule ist kein Tag wie der andere. Und man bleibt auf dem Laufenden, was neue Technik oder Trends angeht.

Worauf kommt es an?

Auf Schüler einzugehen und sie zu begleiten. Dabei ist es schön zu sehen, was aus ihnen im Lauf der Jahre wird. Und natürlich selbst Vorbild zu sein.

 

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