Umweltschutz in Betrieben

Aus Abwasser wird Rohstoff


Weniger kopieren, Rohstoffe gewinnen, Prozesse optimieren: Dafür erhielten drei Chemie-Firmen eine Auszeichnung

Karlsruhe. Schnell mal eine Kopie machen, das ist Alltag in jedem Büro – doch es verbraucht ordentlich Papier, Druckerfarbe und Strom. Der Reifenhersteller Michelin in Karlsruhe hat bei diesem Thema enorm umgesteuert. Für sein Umwelt-Engagement erhielt er jetzt, ebenso wie zwei weitere Chemie-Unternehmen, vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) Baden-Württemberg den Preis „Responsible Care“.

Was man gegen Papierflut machen kann? Papier auf beiden Seiten bedrucken! Besser noch: Vor dem Druckbefehl überlegen, ob man das Dokument tatsächlich in Papierform benötigt!

Genau auf solche Dinge achten seit 2009 die Mitarbeiter an den europaweiten Michelin-Standorten. Aufgrund des konzernweiten Sparprojekts „EcoPrint“ konnten inzwischen gut zwei Drittel aller Drucker und Kopierer in Europa stillgelegt werden. Zudem tragen alle neuen Geräte das Umweltsiegel „Blauer Engel“.

Das Motto des VCI-Wettbewerbs lautete: „Wir haben gute Ideen zur Ressourcen-Effizienz.“ Natürlich hat nicht nur die Umwelt etwas von der Michelin-Initiative, sondern auch die Firma selbst. Sie spart jetzt jährlich 3 Millionen Euro.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung“, sagt Dieter Freitag, Direktor Michelin Deutschland, Österreich, Schweiz. „Wir leben täglich unsere Unternehmenswerte wie Achtung vor der Umwelt“, versichert der Chef. „Jeder von uns übernimmt Verantwortung und reduziert seine Ausdrucke auf ein Minimum.“

Rohstoff aus Abwasser gewinnen

Ausgezeichnet wurde auch der Mannheimer Spezialchemie-Hersteller Rhein Chemie Rheinau: Er gewinnt dank eines neuen Verfahrens bei der Kunststoff-Herstellung wertvolles Phenol aus dem Abwasser der Produktion zurück. Diese transparente bis schwach rosa­farbene organische Verbindung ist ein wichtiger Ausgangsstoff für hochwertige Kunststoffe, aus denen zum Beispiel große Getränkeflaschen entstehen.

Früher musste das Phenol zusammen mit dem Abwasser als Sondermüll entsorgt werden. Das ist jetzt vorbei: So viel Phenol, wie in sechs große Lkw-Sattelzüge passt, fließt jetzt Jahr für Jahr zurück in die Produktion.

Da die Substanz im Abwasser gelöst ist, ist die Rückgewinnung nicht einfach: „Die Herausforderung bestand darin, aus einem Abwassergemisch mit verschiedenen leicht und schwer wasserlöslichen Chemikalien einen reinen Rohstoff zurückzugewinnen“, erklärt Rüdiger Herpich, Leiter des Bereichs Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und Qualität bei Rhein Chemie.

Eine ehrenvolle Anerkennung vom VCI-Landesverband erhielt der Lack- und Farbenhersteller Marabu aus Tamm nördlich von Stuttgart: Das Unternehmen hat in allen Abteilungen von der Herstellung bis zum Versand den Umgang mit Rohstoffen und Energie auf den Prüfstand gestellt – und ihn überall dort, wo es möglich war, optimiert.

So viel Umweltbewusstsein freut VCI-Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer. Für ihn steht fest, dass die Chemie eine „Vorreiterrolle“ beim verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen einnimmt.

Produktion rauf, Energie runter

Mayer verweist in diesem Zusammenhang auf eine eindrucksvolle Bilanz: In den vergangenen 20 Jahren ist die Produktion der chemischen Industrie um mehr als 50 Prozent gestiegen – doch der Energie-Einsatz konnte im gleichen Zeitraum um 40 Prozent reduziert werden. „Unsere Unternehmen zeigen damit, dass wir in der Chemie den Takt vorgeben!“

www.responsible-care.de

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