Schlüsselbranche Maschinenbau

Aumat produziert Anlagen für Schloss-Hersteller – und nutzt dabei 3-D-Drucker

Solingen. Wer immer schon wissen wollte, warum kein Schloss dem anderen gleicht, sollte zur Solinger Firma Aumat kommen und Waldemar Mokros bei der Arbeit zuschauen. Er testet hier neue Anlagen für Zylinderschloss-Hersteller.

Die dünnen Schläuche seiner Montagemaschine sind voll mit Metallstiften und -plättchen unterschiedlicher Formen und Längen. Streng geordnet fallen sie heraus und füllen die Schlosskerne. Die Maschine bestückt die Schlösser mit je 13 Stiften und Plättchen. „Weil die Kleinteile unterschiedlich kombiniert werden“, erklärt Mokros, „gleicht kein Schloss dem anderen.“ Und schaut den Testläufen aufmerksam zu.

Sein Arbeitgeber baut Montage-, Sortier-, Fräs- und Prüfmaschinen. Eine Spezialität der Solinger sind große Räummaschinen. Sie schneiden die raffinierten Profile im Schlosskern heraus.

„Die Maschinen sind immer Einzelanfertigungen nach Kundenwunsch“, betont Geschäftsführer Stefan Trommlitz. Die Käufer sitzen vor allem in der „Schlüsselregion“ Velbert/Heiligenhaus, wo gut 70 Unternehmen Sicherungs- und Beschlagtechnik produzieren. „Wir liefern aber auch in europäische Länder“, so der Firmenchef.

Im Trend seien riesige Alleskönner: „Am liebsten würden die Kunden vorne den Rohling einfüllen, und hinten purzelt das fertige Schloss heraus“, sagt der technische Leiter Achim Ihlefeld. So eine Anlage gibt es aber noch nicht. Immerhin: Die Fräsmaschine von Aumat kann die genau passenden Schlüssel zum Schloss herstellen.

Ein 3-D-Drucker verringert die Bearbeitungszeiten – zudem sind alle möglichen Formen machbar

Die Firma entwickelt und baut zwar große Maschinen, hat aber nur 15 Mitarbeiter – und setzt deshalb auf die Lohnfertiger aus der Region. Seit drei Jahren steht bei den Solingern auch ein 3-D-Drucker: Schicht um Schicht baut er aus geschmolzenem Kunststoff anhand von Computerzeichnungen einzelne Bauteile und Demonstrationsmodelle wie eine neue Schloss-Schlüssel-Kombination, die Aumat früher teuer zukaufen musste. „Es geht schneller, und es sind nun alle erdenklichen Formen möglich“, schwärmt Geschäftsführer Trommlitz.

Wenn zwei oder sogar drei Großaufträge wie im Jahr 2014 reinkommen, wird es dennoch eng. Einer davon ist die Räummaschine für den Schlosshersteller Winkhaus. „Vom ersten Entwurf bis zur Endmontage haben wir zwölf Monate gebraucht, schließlich handelt es sich um ein Einzelstück“, erzählt Konstrukteur Mario Reiche. Er testet eines der Werkzeuge, das den Kanal im Schlosskern entgraten soll.

Auch das herkömmliche Schloss hat Zukunft

Werden Fingerscanner oder Handy als Türöffner ihre Produkte bald überflüssig machen?

Ihlefeld glaubt an die Zukunft des Stücks Metall mit Bart. Denn Sicherheitsmerkmale verschiedener Abstufungen hätten mechanische Schlüssel auch. „Von der Schließanlage eines Konzerns gibt es Tausende Schlüssel für alle Mitarbeiter und 30 Schließhierarchien: vom Vorstand bis zur Putzfrau“, erklärt Ihlefeld. Der Chef kann alle Türen aufmachen, der normale Angestellte eine einzige. Dabei ist es im Prinzip der gleiche Schlüssel, nur etwas anders bearbeitet.

Derweil hat Waldemar Mokros seinen Testlauf beendet. Die Anlage hat beste Arbeit abgeliefert.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang