Gefahrenabwehr

"Aufgepasst! Damit nichts passiert"


Bei Freilacke setzt sich ein Kollege besonders für die Sicherheit ein

Bräunlingen. Und hopp, die Treppe zügig runterspringen: Wenn Gerald Lindner jemanden bei solchen waghalsigen Aktionen erlebt, gehen bei ihm gleich alle Warnlampen an – zu Hause wie im Büro. Denn als „Sicherheits-Profi“ weiß er, wie schnell dabei etwas passieren kann.

„Bitte Handlauf benutzen“ steht deshalb im Treppenhaus vieler Firmen. So lautet auch das Gebot bei Lackhersteller Emil Frei („Freilacke“, 370 Mitarbeiter) in Bräunlingen: „Sich festzuhalten ist so einfach und vermeidet viele Unfälle“, weiß Lindner. Seit 2007 absolviert der Lackingenieur eine Ausbildung zur „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ bei der Berufsgenossenschaft Chemie. Dort lernt er mögliche Gefahrenpotenziale kennen, zu denen etwa Stolperfallen, Lärm, physische und psychische Belastungen gehören.

„Meine Wahrnehmung hat sich durch die Schulung unglaublich verändert“, berichtet Lindner. Verstellte Fluchtwege oder Feuerlöscher fallen ihm heute beim Gang durch die Firma sofort auf.

Wichtig ist Einsicht in die Vorschriften

Und auch die Kleidung der Mitarbeiter: Tragen sie Schutzbrille? Sicherheitsschuhe? Gehörschutz? Er achtet aber auch auf ein „Zuviel“ an Sicherheit: „Wenn Arbeiten keinen Helm erfordern, muss ihn dabei auch niemand tragen!“, so der Experte. Denn: „Die Einsicht der Leute, dass angeordnete Sicherheitsmaßnahmen nötig sind, ist mir sehr wichtig.“

Viele Stunden seiner Freizeit nutzt Lindner zum Lernen und fertigt umfassende Berichte an. Beeindruckend: Je mehr er sich mit der Sicherheit befasst, umso mehr fasziniert ihn das Thema. Für seine Praktikumsarbeit erhielt er gerade eine Auszeichnung der BG Chemie.

Geschäftsführer Hans-Peter Frei  sieht  das  mit  Freude: „Sicherheit hat bei uns einen extrem hohen Stellenwert“, sagt er. Für ihn steht fest: „Jeder Unfall ist vermeidbar. Er weist auf Mängel im Prozessablauf hin!“

Deshalb schaut Lindner ganz genau hin: Lässt sich die Gefahrenquelle – zum Beispiel eine Maschine – vermeiden? Wenn nicht, gibt es technische Schutzausrüstungen dafür? Erst wenn alle technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgeschöpft sind, kommen Menschen ins Spiel. Lindner: „Wir prüfen dann, welche persönliche Schutzausrüstung die Mitarbeiter für die Tätigkeit benötigen.“

Dass sich die Mühe lohnt, zeigen die Fakten: Dank der kontinuierlich weiterentwickelten Sicherheitsstandards in den Betrieben ist das Risiko eines Arbeitsunfalls in der gewerblichen Wirtschaft in den vergangenen 35 Jahren um fast 75 Prozent gesunken.

„Unfälle vermeiden, ist jede Mühe wert“

Bei Freilacke sinnt man nun über neue Wege nach, um das Bewusstsein für Sicherheit weiter zu stärken. Aktuelle Idee: „Wir hängen Bilder auf, die auf mögliche Gefahrenquellen hinweisen“, schildert Lindner. Er scheut weder Zeit noch Aufwand, um sein Ziel zu erreichen: „Unfälle zu vermeiden, ist für mich jede Mühe wert!“

Sabine Latorre

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