Globalisierung

Aufbruch in ein fernes Land


Die Jäger-Gruppe wächst rasant in China

Hannover. Das Reich der Mitte sorgt bei der Jäger-Gruppe für Aufbruchstimmung: Ein Tochterunternehmen mit Sitz in der Provinz Guangdong ist außerordentlich erfolgreich mit Elastomer-Membranen für die Abwasser-Reinigung in Kläranlagen und Fabriken.

Das junge Unternehmen wächst rasant – und sichert so auch Arbeitsplätze daheim in Hannover. „Hier bleibt unser Kompetenzzentrum“, sagt Dr. Andreas Jäger, der zusammen mit seinen Brüdern Sebastian und Marius die Firmen-Gruppe mit rund 900 Mitarbeitern führt.

Sie ist außer in der Umwelttechnik auch auf vielen anderen Geschäftsfeldern zu Hause: von der Automobilzulieferindustrie bis zur Erdölförderung (siehe auf Seite 2 Info: Das Unternehmen).

Über 5.000 Millionenstädte

Andreas Jäger erinnert sich noch gut an die ersten Schritte auf dem Weg in das fremde Land China: „2003 meldete sich ein chinesischer Kunde über unsere Website. Sein Sohn studierte in Deutschland und hatte ihm von deutscher Technik erzählt.“

Der Kunde orderte nur einige wenige Teile. Doch er weckte die Neugier des deutschen Unternehmers. Wenig später bekam er den Zuschlag für ein EU-Projekt – es ging um Technik zur Abwasserreinigung in einer Schweinefarm.

Mit einem persönlichen Besuch vor Ort verschaffte sich Jäger einen Eindruck. Sein Urteil noch im Jahr 2003: „China ist trotz aller Gegensätze von armen und reichen Provinzen ein gewaltiger Markt mit vielen Möglichkeiten.“ In China gibt es über 5.000 Millionenstädte. „Ein riesiger Bedarf an Kläranlagen und Fabriken“, erkannte Jäger, „und somit auch an unserer Umwelttechnik.“

Er wagte „die Schritte ins Unbekannte“, wie er sagt:

2004 eröffnete die Jäger-Umwelttechnik in China ein Einkaufsbüro. Davon profitierten vor allem die Schwestergesellschaften.

Ein Jahr später folgte eine Logistik-Gesellschaft, für den Versand der in Deutschland gefertigten Teile.

Und seit 2007 produziert und handelt die Jäger Rubber & Plastic (Shenzhen) Ltd.

Erst waren es dort 20 Mitarbeiter, die aus Hannover gelieferte Belüftungsmembranen komplettierten. Inzwischen sind es 45. Und im Herbst werden weitere Maschinen angeschafft und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Als nächstes nach Brasilien?

„Wir arbeiten dort rund um die Uhr“, erzählt Jäger. Nicht nur für Klärwerke – Aufträge kommen auch von Raffinerien, Schlachthöfen, Brauereien oder Färbereien. „Überall, wo Prozesswasser gereinigt werden muss, kann unsere Technik eingesetzt werden“, verdeutlicht er.

Sein Vater Arnold hatte sich früh Gedanken gemacht, wie man verschmutztes Wasser besser belüften kann und so die biologische Reinigung aktiviert. Seit mehr als drei Jahrzehnten produziert die Jäger-Umwelttechnik entsprechende Membranen. Der Weitblick zahlt sich aus, der Gang nach China ist ein logischer Schritt. Und Jäger nimmt bereits ein anderes fernes Land in den Blick: „Auch in Brasilien könnte ich mir für uns interessante Märkte vorstellen.“

Werner Fricke

Info: Das Unternehmen

Die Jäger-Unternehmensgruppe (Sitz: Hannover) liefert seit über 65 Jahren Komponenten aus Gummi, Kunststoff und Metall für Partner im Auto-, Maschinen- und Anlagenbau, in der Umwelt- und Agrartechnik und in der Erdöl-Exploration.

Um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, sind die Aktivitäten in spezialisierten Einzelfirmen konzentriert. Insgesamt: 900 Mitarbeiter an 15 Standorten in Deutschland, den Niederlanden, den USA und China.

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