Messtechnik

Auf die Stellen hinterm Komma kommt es an


Bei Mahr schaut man genau hin – auch auf die Konjunktur

Göttingen. Kürzlich feierte der Messtechnik-Hersteller Mahr GmbH seinen 150. Geburtstag. Mehr als 2.000 Gäste gratulierten – nicht nur zum Jubiläum, auch zum Geschäftsergebnis. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Doch Stephan Gais, geschäftsführender Gesellschafter, sagt: „Wir dürfen uns von den guten Zahlen nicht blenden lassen.“

Er gibt zu bedenken: „Wir alle haben den schweren Konjunktureinbruch 2008/2009 noch in Erinnerung.“ Nach der Krise, so lautet seine Botschaft, ist vor der Krise. Experten sind sich einig, dass die allgemeine Geschäftsentwicklung immer schneller auf und ab ­gehen wird. Gais: „Eine Entwicklung wie in den letzten Jahren haben wir in der Geschichte unseres Unternehmens noch nie erlebt. Wir müssen die Betriebe krisensicherer machen.“

Der Sinn von Zeitarbeit

Mahr beschäftigt in Göttingen rund 700 Mitarbeiter – plus etwa 30 Zeitarbeiter, vor allem in Fertigung und Lager. Diese seien, so Gais, besonders wichtig, um Auftragsspitzen abbauen zu können. „Uns geht es nicht ums Geld, uns geht es um die Flexibilität“, sagt er.

Mahr ist ein Global Player mit Produktion in China, Tschechien, den USA und Deutschland. Weltweit fertigen 1.500 Mitarbeiter höchst anspruchsvolle Messinstrumente vor allem für die Industrie. Ein Beispiel: Der Elektronik-Konzern Philips baut seine elektrischen Zahnbürsten aus 38 Kleinteilen, die in zehn Ländern produziert werden. „Jedes Teil muss passen“, sagt Gais, „und dazu braucht man exakte Messgeräte. Wir unterstützen unseren Kunden Philips vor allem bei der Qualitätssicherung. Uns kommt es auf die Stellen hinterm Komma an.“

Familie und Beruf unter einem Hut

Seit Jahrzehnten gehört Mahr zu den von amtlicher Seite ausgewählten Unternehmen, die Messdimensionen kontrollieren, also die exakten Messinstrumente anderer Hersteller kalibrieren. Das geht nur mit qualifizierten Fachkräften. Deshalb ist, wenn man „den Betrieb krisensicherer machen“ will, auch die Personalpolitik gefordert.

So ist eine Kinderkrippe mit 20 Ganztagsplätzen eingerichtet. Gais: „Immer häufiger machen auch junge Väter davon Gebrauch, kombinieren Familie und Beruf miteinander. Das ist die Flexibilität, die wir brauchen.“


Info: 150 Jahre Mahr

Das Unternehmen wurde 1861 von dem Esslinger Erfinder Carl Mahr gegründet. Zunächst bot es einfache, aber exakte Handmessmittel an. Ab 1875 stellte das Unternehmen die Längennormale her, mit der Messgeräte geeicht werden. Mit der Automatisierung ging die Mahr-Messtechnik ans Fließband, wurde schließlich computerisiert und digital. Heute dringen die Messgeräte aus Göttingen bis in den Nano-Bereich vor. www.mahr.de

 

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