Ausbildung

Auf den Charakter kommt es an

„Ich nehme das Lernen jetzt ernster“: Der angehende Verfahrensmechaniker Ray Müller (links) mit Ausbilder Mirko Heinschke. Foto: Anhardt

Fürstenwalde. Ehrlich ist er, der Goodyear-Dunlop-Azubi Ray Müller: „Als Schüler konnte ich mich selten aufraffen, für Prüfungen zu lernen.“ Aber: „Hier und heute passiert mir das nicht mehr!“

Heute – das ist Müllers zweites Ausbildungsjahr. Hier – das ist das hochmoderne Werk in Fürstenwalde (Brandenburg). Wo rund 760 Mitarbeiter jährlich 3,5 Millionen Reifen der verschiedensten Durchmesser und Konzernmarken herstellen, für Pkw, Geländewagen (SUV) und Transporter, für Winter- und Sommereinsatz. Auch „RunOnFlat-Reifen“, die selbst bei einem Platten noch etliche Kilometer laufen.

„Über die klassischen Lehrpläne hinaus“

Ray Müller lernt Verfahrensmechaniker, wird also selber Reifen produzieren. Und er profitiert davon, dass Goodyear Dunlop seit etwa drei Jahren in der Ausbildung neue Wege geht: Nicht mehr allein die fachliche Ausbildung steht im Mittelpunkt der Lehre, sondern auch die Persönlichkeitsbildung der Lehrlinge.

„Ganzheitliche Ausbildung – Persönlichkeit entwickeln“ heißt das Projekt, mit dem man eben zum Beispiel auch lernen kann, wie man den „inneren Schweinehund“ austrickst und sich vor Prüfungen richtig in Form bringt.

„Es sind Ausbildungsaktivitäten, die über die klassischen Rahmenlehrpläne hinausgehen“, erläutert Mirko Heinschke, Lehrausbilder in Fürstenwalde.
Zum Beispiel Aktionen zum Thema Teambuilding: Die Azubis bauen gemeinsam ein Floß und stechen damit anschließend in See – wenn da nicht ordentlich zusammengearbeitet wurde, geht nicht nur das Floß baden! Hinzu kommen etwa Workshops zum Thema Gesundheit oder Konflikt-Bewältigung.

„Wir haben die Azubis in die Umsetzung des Projekts eingebunden“, erklärt Ausbilder Heinschke. „Sie haben sich und ihre Wünsche sowie jede Menge toller Ideen eingebracht.“

Für Ray Müller etwa ist der Workshop zur Konfliktbewältigung wichtig gewesen. Er habe viele wichtige Hinweise erhalten, sagt er, „wie man einen eventuellen Streit löst und clever damit umgeht“. Schließlich wechseln die Azubis durch alle Abteilungen des Werks, treffen ständig auf neue Kollegen, neue Vorgesetzte, andere Strukturen. Da ist es von Vorteil, wenn man weiß, wie man damit umgeht.

Bei gutem Abschluss winkt die Übernahme

Im Fazit stellt Ray Müller fest: „Ich glaube, ich nehme wegen der zusätzlichen Aktivitäten das Lernen auch ernster. Schließlich hängt davon meine Zukunft ab.“

Laut Standortsicherungspakt gibt es für Azubis mit gutem Abschluss eine Übernahmegarantie. Und der Auszubildende weiß von seinen Freunden: Das ist in der Region nicht die Norm. So streckt er sich, lässt öfters am Wochenende Disco oder Fußball oder Party sausen.

14 Azubis starteten dieses Jahr im Werk Fürstenwalde ihre Lehre; damit gibt es in den verschiedenen Ausbildungsgängen insgesamt 48 Azubis. „Wir sind uns bewusst, dass der Wechsel von der Schule in die fordernde Arbeitswelt keine Kleinigkeit ist“, sagt Ausbilder Heinschke.

Aber wer weiß: Drei der sechs Goodyear-Dunlop-Werke in Deutschland werden von Managern geleitet, die ihren Weg ins Berufsleben ebenfalls als einfache Lehrlinge begonnen haben …


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