Betriebskultur

Auf dem Weg zur Traumfabrik


Wie die Mitarbeiter beim Blechverarbeiter Karl Miller die Effizienz steigern

Kirchberg/Iller. Wie stellen sich Mitarbeiter ihre Traum­fabrik vor? Karl-Martin Miller hat das seine Belegschaft ge­fragt. „Um zu sehen, wie wir besser werden können“, erklärt der Firmenchef aus Kirchberg. Er ist begeistert von der Idee der ständigen Erneuerung.

Deshalb erarbeiteten die Mitarbeiter in einem Work­shop ein neues Unternehmens-Leitbild. Das nennen sie „Miller Unternehmenshaus“. Zum Leitbild gehören ethische Werte. Aber auch viele Grundsätze, die eine schlanke, effiziente Produktion ermöglichen: So sollen die Mitarbeiter Ideen für Verbesserungen einbringen. 

Selbst ist der Mann

Erst war so mancher Mitarbeiter skeptisch. Inzwischen ist das anders. Beispiel Murat Aydin: Der Schweißer denkt heute mit Feuereifer nach, wie sich Leerläufe und Verschwendung vermeiden lassen. Stolz präsentiert er seinen neu gestalteten Arbeitsbereich, in dem Kabinen hergestellt werden. Die drei Stationen hat er mit seinen Kollegen in sechs Wochen neu eingerichtet.

Gefertigt wird jetzt in Linie. Das war vorher nicht so. Die schwerfälligen Holzpaletten, auf denen unübersichtlich das Material lag, wurden durch  „Rechen-Wagen“ ersetzt. Sie enthalten genau jene Teile und Werkzeuge, die der Werker für die Rohkabine braucht. Kein langes Suchen mehr: Schon durch die Anordnung sieht der Mitarbeiter, ob etwas fehlt.

„Jetzt sind wir viel schneller“, freut sich Aydin. Und Firmenchef Miller sieht sich bestätigt, auch wenn es vier Jahre und etliche Workshops gebraucht hat, bis die neue Philosophie in den Köpfen war. Und die lautet eben, möglichst viele eigene Ideen umzusetzen. Miller:  „Externe Berater drücken den Mitarbeitern doch nur ein Soll-Konzept aufs Auge, das nicht lange praktiziert wird.“

Seine Mitarbeiter sollen da­gegen in der Lage sein, sich eigenständig weiter zu verbessern. Miller findet auch nicht realisierbare Ideen wertvoll: „Der Mitarbeiter sieht dann, dass sein Einfall zwar nicht funktioniert, Elemente seiner Gedanken aber trotzdem zur Gesamtlösung beitragen.“

Der Erfolg motiviert

Durchschnittlich ein Viertel weniger Durchlaufzeit brauchen seine Teams heute für einen Auftrag! Das motiviert die Mitarbeiter. Schweißer Aydin war inzwischen auch an der Umstellung der Nachbarlinie beteiligt, an welcher Schaltschränke gefertigt werden. „Das haben wir in zwei Tagen geschafft“, platzt es aus ihm heraus. „Nur die Paletten müssen noch weg.“ Den nächsten Workshop  kann  er  kaum erwarten.

Joachim Sigel

 

Info: Karl Miller GmbH & Co. KG

Das 1842 als Schlosserei gegründete Familienunternehmen bietet Systemlösungen in Blech an – beispielsweise Verkleidungen, Kabinen, Maschinengestelle und Schaltschrank-Gehäuse, Bedienpulte sowie Bagger- und Kranverkleidungen. In Kirchberg arbeiten 200 Leute. Das Schwesterunternehmen Karl Miller Lahr hat 100 Beschäftigte. Der Gruppenumsatz liegt bei 30 Millionen Euro.

www.kmk-miller.de

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