Weiterbildung

Auf dem Weg zum Alleskönner


Anerkannte Talentschmiede: die Modeschule Stuttgart

Es ist ganz still im Zeichensaal. Nur gelegentlich hört man das Kratzen eines Stiftes auf Papier: 24 hochkonzentrierte junge Leute üben Aktzeichnen. „Wer Mode machen will“, sagt Sabine Dirlewanger leise, Leiterin der Staatlichen Modeschule Stuttgart, „der muss erst einmal den menschlichen Körper  kennen.“ Stille Stunden im Zeichensaal gehören daher zum Programm.

Nebenan, in der Werkstatt, sieht es schon mehr nach Mode aus. Ein junger Mann trägt ein leicht  seltsames Jackett: Resultat der gemeinsamen Arbeit im dritten Semester. Die Mitschüler beäugen es kritisch: „Zu schlapp!“, ruft eine, eine andere: „Die Schulter darf definierter sein.“

Den Jargon der Zunft kennen die jungen Leute längst: Sie haben schon Schneiderlehre oder  Berufskolleg hinter sich. Die Stuttgarter Aufbau-Ausbildung dauert zwei Jahre, wer sie schafft, ist „staatlich geprüfter Produktentwickler im Bereich Mode“. Und damit mehr als „nur“ Designer: Es geht ums volle Programm – vom Aufspüren eines Trends über Entwurf und Schnitt bis zur Vorbereitung der Serien-Fertigung.

Also stehen ganz verschiedene Fächer auf dem Stundenplan, von Kostümgeschichte über Marketing bis zur Fertigungstechnik. „Man braucht nicht nur Kreativität, sondern auch technisches Verständnis und Organisationstalent“, betont Dirlewanger.

Schülerin Carina Eigenbrodt (24) erzählt: „Ich mag am liebsten Schnitt, da geht es darum, schöne Linien zu finden.“ Ganz ohne sind die vier Semester Vollzeit-Unterricht nicht, hat sie gemerkt – „aber wenn man in die Branche will, beißt man sich da durch.“

Zur Modenschau nach London

Und Mode machen wollen viele: Jährlich bewerben sich gut 80 Nachwuchskräfte um einen Platz. 24 werden genommen. Auch Jens Strasser hat es geschafft. „Diese Ausbildung ist für mich ideal“, freut sich der 28-Jährige, „weil sie nicht so lange dauert.“

Eigenbrodt und Strasser sind im dritten Semester. Da  wissen die Schüler schon, wie man Trends aufspürt. „Sie lernen, die Augen aufzumachen“, sagt die Schulleiterin: Ob auf der Straße, bei der Lektüre von Zeitschriften oder einer Modenschau in London.

Die angehenden Produktentwickler lernen vor allem in Projekten. So arbeitet eine Klasse in allen Fächern an einem Rock – bis er reif ist für die Serienproduktion. Wie viel Material wird dann für welche Stückzahl gebraucht? Wie soll die Produktion genau ablaufen? Auch Antworten auf solche Fragen sollen im Team gefunden werden.

Höhepunkt der Ausbildung ist eine Modenschau, in der die Absolventen selbst ihre Entwürfe zeigen. Eigenbrodt arbeitet mit ihren Klassenkameraden seit Oktober für den großen Auftritt im Juli.

Für Stoffe und Schnitte hat sie schon mit vier Jahren geschwärmt: „Damals hat meine Oma zum ersten Mal mit mir genäht“, erzählt sie. Nun kann sie es kaum abwarten, Mode für den Markt zu entwickeln – „am liebsten bei einem großen Label, das wäre ein Traum“.

Kontakte zu Adidas, Boss & Co.

Ein Traum, der bald wahr werden könnte: Im Publikum der Stuttgarter Abschluss-Schau sitzen Vertreter namhafter Firmen! Die Schule hat enge Kontakte zu Branchengrößen wie Adidas, Strenesse, und Triumph, die dort nach Nachwuchs suchen. Hugo Boss schreibt sogar jährlich einen Wettbewerb aus, allein für diese Schule. Es winken Preisgelder und Praktika.

Die Stuttgarter Talentschmiede kann aber auch den Weg in andere Berufe ebnen: Modejournalist,  Stylist oder Kostümbildner.

 

www.modeschule-stuttgart.de

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