Lehrstelle

Auf dem Weg in den Beruf

Engagiert: Die Personalleiter Alexander Walter von Jäger (dritter von links) und Fritz Kelle von VSM (zweiter von rechts) mit den Praktikanten Stefan Schwarz, Ali Kilickaya, Maik Brake­busch, Kevin Br

Teilnehmer von „Fit für die Ausbildung“ jetzt im Betrieb

Hannover. Noch vor wenigen Monaten galt Marcel Grigorew (17) als „nicht ausbildungsreif“, fand wie 350.000 weitere Jugendliche in Deutschland im ersten Anlauf keine Lehrstelle. Heute erscheint er an drei Tagen die Woche pünktlich um sechs Uhr zum Schichtbeginn im Werk der Jäger-Unternehmensgruppe in Hannover.

Er gehört zu dem Dutzend junger Leute, die im Rahmen des Projekts „Fit für die Ausbildung“ Praktika bei namhaften Mitgliedsfirmen des Netzwerkes „Zukunft-Inc.“ absolvieren. Vor sechs Wochen berichtete AKTIV an dieser Stelle über ihren Start – im Workshop zu „sozialen Kompetenzen“.

Inzwischen ist Grigorew im Betrieb. „Das frühe Aufstehen fällt schwer“, räumt er ein – doch er setzt voll auf die Chance, nach erfolgreichem Praktikum die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer zu machen: „Und danach möchte ich mich auf jeden Fall noch zum Verfahrensmechaniker weiterbilden.“

„Bei diesen Leuten liegt Potenzial“

Warum der Kautschuk-Spezialist Jäger für das Projekt Praktika bereitstellt und im Erfolgsfall sogar Lehrstellen, erklärt Personalleiter Alexander Walter: „Der Handlungsbedarf ist groß. Von den zweijährigen Ausbildungsberufen, die klassischerweise auf Hauptschüler zugeschnitten sind, bleiben 20 Prozent unbesetzt.“

Jeder fünfte Jugendliche gilt heute als nicht ausbildungsreif, viele verlassen die Schule ohne Abschluss, haben in Kerndisziplinen wie Lesen, Schreiben oder Rechnen erhebliche Defizite oder lassen Mängel am Sozialverhalten erkennen. Auch aufgrund unsicheren Auftretens in Vorstellungsgesprächen kommen immer mehr Bewerber auf den ersten Blick als Lehrlinge nicht mehr infrage. „Genau hier müssen wir ansetzen und gegensteuern, denn bei diesen jungen Leuten liegt viel Potenzial“, sagt Walter.

Auch bei der VSM Vereinigten Schmirgel- und Maschinen-Fabriken AG, bei Sennheiser Elektronik und bei KIND Hörgeräte sind jetzt Teilnehmer des Projekts als Praktikanten untergebracht.

„Wenn wir den Fachkräfte-Nachwuchs sichern wollen, müssen wir neue Wege gehen“, sagt VSM-Personalleiter Fritz Kelle. Schließlich macht sich der demografische Wandel schon voll bemerkbar: Die Jahrgänge, die in Rente gehen, sind heute stärker als die der Berufsanfänger. Der Schleifmittel-Marktführer VSM engagiert sich aus diesem Grund nicht nur bei der Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher.

„Es gibt nicht nur einen richtigen Weg“

Sondern er forciert zugleich auch die betriebsinterne Weiterbildung: „Wir unterstützen die Ausbildung zum Meister, indem wir die Fortbildungskosten stark bezuschussen und Rücksicht in der Schichtplangestaltung nehmen“, sagt Kelle.

Darüber hinaus ermöglichen VSM und Jäger auch duale Studiengänge, und Jäger finanziert seinen Mitarbeitern gern die Technikerschule. „Wenn nicht genügend Fachkräfte zu uns kommen, qualifizieren wir halt unsere eigenen Leute“, so Kelle pragmatisch. „Es gibt eben nicht nur den einen richtigen Weg – wir setzen auf Flexibilität.“

Wiebke Westphal


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